Lesung
Peter Hein, Fortuna und die Eifel der Etrusker
16.01.2010 | 16:09 Uhr 2010-01-16T16:09:00+0100
Düsseldorf. "Geht so" heißen die Wegbeschreibungen, die Sänger und Texter Peter Hein auf Tour mit seinen Düsseldorfer Punk-Pionieren von den Fehlfarben gesammelt hat. Bei Heins Lesung im zakk zitiert er aus dem neuen Fehlfarben-Album und drei Fortuna-Songs.
Der Autor Peter Hein betritt die Bühne des gut gefüllten zakk-Clubs mit Plastiktüte. Aus ihr entnimmt der Sänger der Fehlfarben das, was er für den Leseabend braucht. Die beiden Bücher, die er im Lilienfeld-Verlag veröffentlicht hat, Manuskriptseiten und auch noch eine Flasche Wein, die jedoch fast voll bleiben sollte. „Geht so" heißt der eine Band, mittlerweile auch als Taschenbuch erschienen und in ihm sind Texte versammelt, die auf den zahlreichen Bandreisen zustande gekommen sind, wenn Zeit war, durch die besuchten Städte zu flanieren, Gaststätten und Museen aufzusuchen.
„Rock and Roll heißt warten”
Und Zeit gab es oft, wie Hein konstatiert: „Rock and Roll heißt warten.” Schöne Überraschungen gibt es auch, wenn in Wetzlar ein Kneipenwirt eine „Pure-Freude-Gedächtniswand” eingerichtet hat. Das waren ein Label und ein Laden, den Carmen Knoebel einige Jahre lang auf der Derendorfer Straße in Düsseldorf betrieben hat.
Scheinbar leger und locker sind diese „Wegbeschreibungen”, zeugen aber von einem stets wachen Blick. Das andere Buch, aus dem Hein liest, „das gelbe”, ist eine Zusammenstellung seiner Songtexte. Minimalistisch fing es mit der ersten Gruppe, Mittagspause, an: „3 x Nordpol” ist als Lied in dreißig Sekunden vorbei, Hein bellt den Text heraus, als habe er die Band im Rücken. „Das war die Bierdeckellyrik, und sogar dabei hat mir noch der Franz (Bielmeier) geholfen. Später habe ich dann das DinA-4-Format entdeckt, und die Texte wurden länger.”
Drei Fortuna-Songs aus schweren Zeiten
So lang nun auch nicht. Auf dem neuen Fehlfarben-Allbum, das in Kürze erscheint, werden auch nicht viele Worte gemacht, Zitate gibt es allemal: „Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit”, heißt es da an einer Stelle. „Wir haben Angst, aber keine Zeit dafür”, an anderer. Durch all die Zeilen und Zeiten laviert sich der Sänger mit seinem Düsseldorfer Tonfall, was vor allem bei den insgesamt drei Fortuna-Songs passt, die in schweren Zeiten geschrieben wurden und nie so ganz erfolgreich waren.
Zwischen all den Texten wird viel geblättert, denn Hein weigert sich strikt, die bei seinen Kollegen so beliebten gelben Klebezettel zu vorwenden.
"Ich bin doch nicht Heinz Erhardt"
Das brauch ich nicht, ich lese eh' alles vor.” Da er das natürlich nicht tut und zudem nicht chronologisch vorgeht, dauert es manchmal ein bisschen, bis die entsprechende Seite entdeckt wird. Nach weit über zwei Stunden hat Peter Hein genug gelesen. „Noch'n Gedicht? Ich bin doch nicht Heinz Erhardt.” Das sicher nicht, aber ein Schelm steckt schon in ihm.
„Die Fehlfarben gelten als so ernst. Dabei habe ich wirklich einen Hang zum Albernen.” Dazu passt eine Wegbeschreibung aus Italien. „Toskana, du Eifel der Etrusker.”
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