Pendler klagen über Bettler in Nahverkehrzügen

Voll besetzter Regionalexpress. Immer mehr Pendler klagen über Bettler in den Zügen, inzwischen auch auf Düsseldorfer Gebiet.
Voll besetzter Regionalexpress. Immer mehr Pendler klagen über Bettler in den Zügen, inzwischen auch auf Düsseldorfer Gebiet.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
In den Nahverkehrzügen der Deutschen Bahn wird immer mehr gebettelt, klagen Pendler. Das Problem habe sich inzwischen auch auf Düsseldorfer Gebiet ausgeweitet.

Düsseldorf.. Das nervt, mindert den Wohlfühlfaktor und wirkt zuweilen fast schon bedrohlich. „Und das nimmt allmählich Überhand“, sagt Robert Richards kopfschüttelnd. Unangenehm und lästig sei sie, die nahezu tägliche Bettelei in den Zügen. Der Pendler ist ständig zwischen dem Ruhrgebiet und Düsseldorf unterwegs. Dabei nutzt er den Regionalexpress der Linie RE 1, RE 2 und RE 6. „Dort wird es zunehmend unangenehm und lästig“, betont der 34-jährige Kommunikations-Assistent, der bei einer Agentur im Düsseldorfer Medienhafen arbeitet. Ob Musiker mit Akkordeon, vereinzelte Bittsteller oder gar organisierte Gruppen: „Wurde zunächst nur im Ruhrgebiet verstärkt gebettelt, so hat sich das Problem ausgeweitet, zum Beispiel zwischen der Station Flughafen und dem Düsseldorfer Hauptbahnhof gibt es häufig solche Situationen“, beklagt Richards.

Nahverkehr Teilweise als beklemmend empfindet Tessa Weirich die Begegnungen der unangenehmen Art. „Die sind manchmal recht aggressiv. Dabei macht mir die räumliche Enge in den Zügen zu schaffen. Auf der Straße kann ich einfach weiter gehen, im Abteil ist das nur schwer möglich. Das verursacht bei mir ein mulmiges Gefühl“, erläutert die Studentin der Heinrich-Heine-Universität. Die 24-Jährige möchte aber nicht in eine falsche Ecke gedrängt werden. Denn sie unterstützte durchaus ärmere Menschen. „Ich kaufe regelmäßig das Obdachlosenmagazin fiftyfifty. Das ist ein gutes Projekt und eine interessante Zeitschrift. Die Verkäufer sollen auf jeden Fall davon profitieren“, betont Tessa Weirich.

Professionelle Strukturen?

Derweil will Andreas Kamper professionelle Strukturen beobachtet haben. „Zwei Bettler steigen beispielsweise am Airport-Bahnhof aus und zwei andere steigen dort ein. Das ist doch kein Zufall“, meint der 41-jährige Pendler. Neuerdings auch in den Regionalexpress-Bahnen zu sehen: ein Mann mit einem Din-A-4-Zettel zum Ausklappen, den er den Reisenden in die Hand drückt. Darauf steht geschrieben: „Ich bin halbseitig gelähmt und habe Familie und Kinder.“

Bahn Laut Statuten der Deutschen Bahn ist das Betteln und Belästigen von Fahrgästen in den Zügen verboten. Bei den Verantwortlichen sei „ein generelles Problem dieser Art nicht bekannt“, sagte ein Sprecher. Anders als im Flugverkehr könne man aber im ÖPNV nicht jeden Reisenden kontrollieren. Wenn jedoch das Zugpersonal von solchen Zwischenfällen erfahre, „gibt es Durchsagen an die Fahrgäste. Dann warnen wir vor Bettelbanden und appellieren auch an die Passagiere, kein Geld zu geben und auf ihre Portmonees und Wertgegenstände aufzupassen.“

Gleiches gilt, wenn sich vermutlich Diebe in den Abteilen befinden. Das ist bekanntlich vermehrt der Falle, wenn in Düsseldorf Messezeit ist.