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Paten zahlen armen Senioren die GEZ-Gebühren

18.11.2009 | 11:39 Uhr
Paten zahlen armen Senioren die GEZ-Gebühren

Düsseldorf. Eine 100-Jährige in einem Heim im Düsseldorf hatte nur noch das Fernsehen als letzte Verbindung zur Außenwelt. Aber weil sie zu arm war, um die GEZ-Gebühren zu bezahlen, sollte ihr das Fernsehen abgestellt werden. Horst Grass, Vorsitzender des Seniorenbeirats, sucht deswegen Paten.

Wenn Horst Grass das erzählt, klingt er wütend. Denn „immer mehr alte Menschen können ihre Fernsehgebühren nicht mehr bezahlen. Die Altersarmut nimmt zu”, sagt Grass, seit diesem Jahr Vorsitzender des Seniorenbeirats.

Deshalb hat er ehrenamtlich inzwischen mehr als 50 Paten gewonnen, die für arme Alte die Gebühren überweisen. Und sucht dringend neue Unterstützer, die die 51 Euro pro Quartal übernehmen.

Sture Haltung der GEZ-Eintreiber

Denn am Dienstag lagen bereits zwölf weitere Bitten auf seinem Schreibtisch. Seit vier Jahren schon sorgt Grass für GEZ-Patenschaften. Er ist sauer über die sture bürokratische Haltung der Gebühren-Einzugszentrale, die vor drei Jahren ihre Bestimmungen änderte: „Wer nun mit einer kleinen Rente nur zwei Euro über 358 Euro liegt, wird nicht von den Gebühren befreit.”

Laut Statistischem Amt, so Grass, „leben 6000 arme alte Menschen in der Stadt.” Er nennt ein Beispiel: „Eine 72-Jährige bekommt 428 Euro Rente, plus Zusatzrente von 257 Euro. Dazu einen Heizkostenzuschuss von 60 Euro. Sie zahlt 275 Euro Miete. Vom Rest, 410 Euro, muss die Frau leben.” Sie soll einen GEZ-Paten bekommen.

Etwa 65 Prozent Frauen

„Ich prüfe die Rentenbescheide, und dann gebe ich dem Paten den Namen.” Die meisten Unterstützer treffen sich mit ihren Paten, „viele besuchen die Alten auch häufig.” Die Armen, die sich bei ihm melden, wohnen in Eller, Oberbilk, Garath, aber auch in Kaiserswerth oder Angermund. Etwa 65 Prozent sind Frauen. Es gebe bestimmt noch viel mehr, die Unterstützung brauchen, „aber viele schämen sich ihrer Armut, und fürchten, ihre Nachbarn könnten etwas erfahren.”

Die meisten, die so die Armen unterstützen, „sind selbstständige, gut verdienende Frauen”, berichtet Grass.

Wer eine GEZ-Patenschaft übernehmen will, oder um eine solche Unterstützung bittet: Horst Grass, Nagelsweg 78, 40474 Düsseldorf.

Jo Achim Geschke

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