Beruf Wagenmeister
Park and Wait mit Porsche und Maybach
08.02.2010 | 17:47 Uhr 2010-02-08T17:47:00+0100Mohamed Mounir aus Gelsenkirchen darf in Düsseldorf Nobelkarossen ein- und ausparken.
Mohamed Mounir fährt mehrmals täglich am Roten Teppich des Intercontinental an der Düsseldorfer Königsallee vor. Mal im Porsche, mal in einer S-Klasse, im Sommer häufiger auch in einem Lamborghini oder einem Ferrari. Nicht deshalb aber grüßen Banker, Geschäftsleute und Anwohner der Flaniermeile – „Hey Mo!“ – den 34-Jährigen im Zwei-Minuten-Takt. Sie alle begegnen ihm täglich auf der Bordsteinkante vor dem Fünf-Sterne-Hotel. Dort wartet er im Schnitt sechs Stunden täglich, um die Luxuswagen der Hotelgäste einzuparken und wieder vorzufahren. Park and Wait.
Tägliche Schlüsselmomente entschädigen für Schweißarbeit
Mohamed Mounir ist einer von drei „Wagenmeistern“ im Interconti, wenngleich er selbst das nie so sagen würde. Und „Luxus-Parkhilfe“ schon gar nicht. „Doorman“ nennt er sich, ein Türsteher aber sei er keineswegs. Dabei steht der Mann fast den ganzen Tag. Als vorderster Repräsentant des Fünf-Sterne-Empfangskomitees wartet er auf neue Dienstwagen. Und auf deren Besitzer freilich, die Gäste.
Weil er dabei stets eine gute Figur machen muss, kann das je nach Wetterlage sehr anstrengend sein: im Hochsommer, wenn er unter der schwarzen Melone und dem Leder seiner Handschuhe schwitzt und jetzt im Winter, wenn er draußen vor der Lobby bei sechs Grad unter null im Frack statt im Daunenparker Haltung zeigen muss.
Sein Eigen nennen würde ein Kfz-Kenner wie Mohamed Mounir übrigens „am aller-, allerliebsten einen Audi S8, eine bequeme Limousine mit 600 PS“.
Bis er sich die 160.000 Euro für diesen Traumwagen erarbeitet hat, ist er in einem Range Rover unterwegs. Der sei zwar nicht so stark und schön wie der S8, „aber robust“.
Dafür aber entschädigen die täglichen Schlüsselmomente: Wenn die Schönen, Reichen, Wichtigen (und alle anderen) an der Königsallee 59 Halt machen, öffnet ihnen der gebürtige Ägypter die Fahrzeugtür und heißt sie mit einer unaufdringlichen Freundlichkeit willkommen, die selbst Franjo Pooth noch zum Lächeln bringen würde. Während die Pagen das Gepäck ausladen, übernimmt Mounir die Autoschlüsselgewalt, selbstverständlich nur auf Wunsch der Gäste. Aber wer will auf der Kö schon einen Parkplatz suchen und dafür auch noch bezahlen? Eben. Das machen nur Chauffeure freiwillig: „Autos von Politikern und Popstars“, erklärt Mounir, „fahre ich deshalb fast nie“.
Felgen für 30.000 Euro das Stück
Nicht so die arabischen Gäste. Die lassen ihre Lieblingsspielzeuge für Aufenthalte in Düsseldorf einfliegen. So dürfen die Park-Profis auch in Supersportwagen mit patentierten Speziallackierungen und 30.000 Euro Felgen (Stückpreis!) Gas geben. Ganz, ganz vorsichtig zumindest, ein bisschen Gas. „Manche Lenkräder sind mit Diamanten besetzt“, berichtet Mounir. Sein Lächeln verrät: Derlei Dekadenz ist seine Sache nicht, Spaß aber machen ihm die Mätzchen.
Im Video berichtet Mohamed Mounir von seiner schönsten Dienstfahrt in einem besonderen Auto und den härtesten Arbeitstagen als Wagenmeister.
Außerdem verrät er unter anderem, wie er mit den Gästen umgeht, die ihm ihre Luxuskarossen nur mit Sorge anvertrauen.
Maybach hin, Lamborghini her: Die Angst fährt, rangiert und parkt trotzdem nicht mit. Das hat mehrere Gründe. Der erste: Mounir ist Wagenmeister aller Klassen, hat nach acht Berufsjahren hinterm Steuer auch seltenste Modelle bewegt, seit 2005 allein in Düsseldorf geschätzte 6000 Autos. Außerdem ist er versichert. Absolute Fahrsicherheit aber verschafft sich der 34-Jährige mit einem Trick: „Sobald ich einsteige und die Tür zuschlage, ist es mein Wagen. Und auf mein Auto muss ich sehr gut aufpassen.“ Vielleicht hat der Rolls-Royce-, Bugatti-, Maserati-, Bentley-, Lamborghini-, Ferrari-, Porsche-, Mercedes-, BMW-, Audi-, und ja: Opel- und VW-Fahrer deshalb „noch nie einen Kratzer“ fabriziert.
Vielleicht liegt es aber auch am Düsseldorfer Straßenverkehr rund um das Fünf-Sterne-Hotel (bis zu den 80 Parkplätzen in der Tiefgarage müssen die Wagenmeister die Nobelkarossen und Sondermodelle immerhin durch 500 Meter freien Straßenverkehr manövrieren). Schließlich lernte Mounir das Autofahren in Kairo: „Da ist es viel schwieriger, nicht in Unfälle verwickelt zu werden“. Seine Eltern und Großeltern haben in Ägypten als Autohändler deutsche Wertarbeit aus Stuttgart und München verkauft.
Ein Herz für Gelsenkirchen und Schalke
Drum ist ihr in Deutschland lebender Nachkomme – bei aller Liebe – beruflich betrachtet das schwarze Schaf der Familie. Zumal sich Mounir Junior in der Gastronomie ausbilden ließ (wo er als „Assistant Front Desk Manager“ in Ägypten seine Ehefrau kennenlernte) und obendrein Sozialpädagogik studierte. Die akademische Ausbildung mache sich im „Traumjob Doorman“ bezahlt: „Weil ich gelernt habe, auf andere einzugehen und sie aufzubauen, bekomme ich gutes Trinkgeld.“ Dieser Kompetenz in Sachen Mensch und Maschine verdanke er den Job. „Und weil ich mir gut Nummernschilder und Namen merken kann.“
Seine Ehefrau heißt übrigens Bärbel Springer-Mounir und stammt aus Gelsenkirchen. Auch „in Schalke und die Menschen im Pott“ habe er sich verliebt, sagt ihr Gatte. Daher erträgt er die Pendelei zwischen seiner neuen Heimat Gelsenkirchen und Düsseldorf. Während seiner Dienstfahrten zwischen Rotem Teppich und Tiefgarage kommt er außerdem eh nie so richtig in Fahrt.
16:56
Könnte aber auch langweilig werden, stelle ich mir vor. Ich habe mal für Europcar gefahren und hatte auch schöne Autos. Aber am wohlsten habe ich mich zum Feierabend in meinem alten Mercedes gefühlt.
10:43
Coole Sache!
10:43
Den ganzen Tag in schicken Autos rumfahren und dafür bezahlt werden ist schon nice :p
10:41
Ach der Job ist schon nicht schlecht :)
03:24
Ja, Menschen die total gerne chillen :-)
17:35
Ist schon ein klasse Job den er da hat. Nur muss man wirklich dafür geboren sein den ganzen Tag an der Hoteltür zu stehen. Können nur eine besondere Art von Menschen gut rüberbringen.