Ostern mal anders

Die orthodoxen Gemeinden in Düsseldorf feiern erst am kommenden Wochenende das Sterben und die Auferstehung von Jesus.
Die orthodoxen Gemeinden in Düsseldorf feiern erst am kommenden Wochenende das Sterben und die Auferstehung von Jesus.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die orthodoxen Gemeinden in Düsseldorf feiern erst am kommenden Wochenende das Osterfest.

Düsseldorf.. Während Ostern für katholische und evangelische Christen vorbei ist, fängt es für die christlich-orthodoxen jetzt erst richtig an. Dass die Osterfeste bis zu fünf Wochen auseinanderliegen, liegt daran, dass nach unterschiedlichen Kalendern gefeiert wird.

Für orthodoxe Christen ist es der Höhepunkt des Kirchenjahres, ein beliebtes Fest, zu dem die ganze Familie zusammenkommt und an dem österliche Bräuche und Traditionen liebevoll gepflegt werden: Blumengeschmückte Kerzen, Kerzenprozessionen und traditionelle Osterspeisen gehören dazu. Und natürlich Ostereier.

Am Donnerstag vor Ostern werden die Eier traditionell rot gefärbt, als Symbol für das neue Leben durch den Tod Jesu am Kreuz. „Im Ei steckt ein Leben, deswegen hat es einen dermaßen großen, symbolischen Wert für uns“, erklärt Ioannis Psarakis, Erzpriester in der griechisch-orthodoxen Gemeinde des heiligen Andreas in Reisholz. Beliebt ist das „Eierpecken“ nach dem Kirchgang am Ostersonntag, bei dem jeweils zwei Spieler die roten Eier so lange gegeneinander stoßen, bis eines der beiden Eier bricht. Wer nach diesem Spiel eine unversehrte Eierschale vorzeigen kann, dem winkt , so sagt man traditionell, besonders großes Glück.

So groß die Freude auf Ostern auch ist, so ernsthaft ist auch die Haltung der orthodoxen Gläubigen während der Fastenzeit, die sieben Wochen andauert. „Die Fastenzeit beginnt mit dem Sonntag der Versöhnung. Von diesem Tag an verzichten die Gläubigen auf Fleisch und alle anderen tierischen Produkte. In der Karwoche wird dann noch einmal strenger gefastet und an verschiedenen Tag zusätzlich auf Öle verzichtet“, berichtet Schwester Angelina von der russisch-orthodoxen Gemeinde Maria-Obhut, die das Osterfest in ihrer Kirche in der Ellerstraße feiern wird.

„Die Fastenzeit ist ein Kampf“, berichtet Erzpriester Anfir Ostaptschuk der ukrainisch-orthodoxen Gemeinde des heiligen Nikolai in Oberkassel. „Die Gläubigen wollen die Auferstehung mit einem gesäuberten Körper und Geist empfangen.“

Damit müsste der westliche Ostersonntag, an dem in so vielen Haushalten in Düsseldorf ausgiebig gespeist wird ein wenig zur Qual für die Orthodoxen werden. Oder? „Im Gegenteil“, meint der Erzpriester. „Dadurch freuen wir uns umso mehr auf unser eigenes Osterfest.

In der Osterwoche finden in den orthodoxen Kirchen täglich Messen statt. Karfreitag findet der Trauergottesdienst am Tag des Todes Jesu Christi statt bevor dann am Samstag der Höhepunkt der Osterzeit folgt: Die Feier der Auferstehung. „Den ganzen Tag über lassen die Gläubigen an diesem Tag die Speisen, die sie am Sonntag verzehren werden, segnen“, erzählt Schwester Angelina. Spät Abends folgt dann der traditionelle Auferstehungsgottesdienst, dessen erster Teil außerhalb der Kirche, unter freiem Himmel stattfindet. „Der Gottesdienst unter freiem Himmel ist ein Symbol dafür, dass die Auferstehung Jesu Christi der ganzen Welt verkündet werden soll“, erklärt Iosif-Cristian Radulescu, Priester in der rumänisch-orthodoxen Gemeinde der Heiligen Dreifaltigkeit und des heiligen Nikolaus aus der Degerstraße.

Um 24 Uhr entzünden alle Gläubigen eine Kerze , stoßen die mitgebrachten roten Eier aneinander und sagen einander „Christus ist auferstanden“ – „Er ist wahrhaft auferstanden.“

Von diesem Zeitpunkt an endet die Fastenzeit und es darf auch in den orthodoxen Gemeinden in Düsseldorf wieder ausgiebig gegessen werden. Das macht man traditionell mit einem Osterbraten, „Magiriza“, einer griechischen Ostersuppe und natürlich mir allerlei Süßigkeiten, auf die in der Osterzeit verzichtet wurde. Die hierzulande so beliebte Ostereisuche gibt es in den orthodoxen Kirchen traditionell überigens nicht, erklärt Maria Obhut. „So hat jeder seine eigenen Traditionen.“