Opus mit Ohrwurm-Adagio

Kit Armstrong spielte in der Tonhalle.
Kit Armstrong spielte in der Tonhalle.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Kit Armstrong überzeugte am Piano beim Abokonzert in der Tonhalle . Mario Venzago dirigierte hingegen im Schweins-Galopp.

Düsseldorf..  Er geht mit der Hand durch den schwarzen Kurzhaarschnitt, setzt sich an den Steinway und lässt – vom ersten Takt an - keinen Zweifel, dass er versteht, wie er mit Mozarts C-Dur-Klavierkonzert umzugehen hat. Wenn auch Kit Armstrong von Weitem fast wie ein pubertierender Bubi ausschaut, so ist er mit 22 Jahren bereits ausgereifter Virtuose und überzeugender Interpret. Der chinesische Amerikaner mit Wurzeln in Taiwan spielte beim ersten Abokonzert („Sternzeichen“) im Neuen Jahr in der nahezu ausverkauften Tonhalle.

Mozarts Opus mit dem Ohrwurm-Adagio und Beethovens Fünfte stehen auf dem Programm. Ein Wunschkonzert. Warum nicht! Die Symphoniker, noch immer ohne festen Tonhallen-Generalmusikdirektor (GMD), geben ihr Bestes, haben jedoch Mühen, der fieberhaften Eile und ausufernden Gymnastik- und Hampel-Bewegungen des Gast-Dirigenten Mario Venzago zu folgen.

Er peitscht das Orchester so sehr durch Beethovens sogenannte Schicksals-Symphonie, dass man das Gefühl hat, dass der bald 67jährige Schweizer noch den Nachtzug nach Bern erreichen will, wo er als Orchesterchef engagiert ist.

Venzago war mal im Gespräch als neuer GMD, hat aber abgewunken und ist aus dem Rennen. Gottlob (!), kann man nach diesem Beethoven nur sagen, obwohl er immer noch den Titel „Schumann-Dirigent“ der Symphoniker trägt. Als übereifriger Hektiker fegt Venzago durch die Beethoven-Partitur und gibt den Musikern kaum eine Chance für Feinheiten.

Die Folge: Zahlreiche Unsicherheiten bei den Bläsern und, trotz sauber intonierter und rhythmisch sicherer Streicher, entsteht ein Einheitsbrei. Für sorgfältig herausgearbeitete Steigerungen ist bei diesem hyperventilierten Dauer-Turbo-Tempo kaum Platz. Welche Wohltat, welche musikalische Finesse bietet dagegen Kit Armstrong mit Mozarts festlichem Klavierkonzert (KV 467). Berühmt nicht nur wegen des majestätischen Eröffnungssatzes, sondern auch wegen des melancholisch fließenden Andante, das durch eine seifige James Last-Einspielung zum Ohrwurm avancierte und gerne in Flugzeugen vor dem Abflug zur Beruhigung der Fluggäste gespielt wird.

Mit elfenhafter Eleganz und zartem Anschlag nähert sich Armstrong diesem langsamen Satz, setzt dann aber auf nüchtern klare Akzente. Keine Schnörkel, kein süßliches Parfum sprüht er, um jeden Anflug von Sentimentalität zu vermeiden. In einigen perlenden Passagen meint man seinen Mentor Alfred Brendel zu hören. Irgendwie scheint Armstrong den Ehrgeiz zu haben, es seinem Förderer und Weltklasse-Pianisten gleich machen zu wollen. Allein deshalb es lohnt sich, noch eine Karte zu ergattern. Zur Eröffnung des Konzerts erklingt „Central in the Park“ – eine Petitesse des Amerikaners Charles Ives mit spannungsreichem Wechsel zwischen schwelenden Akkorden und einer grell und grotesk aufspielenden Marschmusik.