Das aktuelle Wetter Düsseldorf 17°C
Schicksal

Öffentliche Kitas halfen Mutter in Not nicht

11.12.2009 | 15:48 Uhr
Öffentliche Kitas halfen Mutter in Not nicht

Düsseldorf. Acht überwiegend städtische Kindertagesstätten hatte Mariann Lange kontaktiert, auf ihre Not hingewiesen. Einen Betreuungsplatz für ihren Sohn bekam sie nicht, obwohl ihr zweiter Sohn tot zur Welt gekommen war, sie Geld verdienen musste. Begründung: kein "Migrationshintergrund".

Als reichte dieser Schicksalsschlag nicht schon allein. Doch als Mariann Lange im vorigen März ihren zweiten Sohn tot gebar, kam zum seelischen Ausnahmezustand noch der faktische. Die Architektin brauchte für ihren anderen, einjährigen, Sohn von jetzt auf gleich eine Betreuung. Nun ist Düsseldorf als gut mit Angeboten ausgestattet bekannt - aber für die Mutter in Not gab es - nach einer aufreibenden Odyssee keine Lösung von öffentlicher Seite. Weshalb sie am Donnerstag im Rathaus vor dem Anregungs- und Beschwerdeausschuss stand.

Falsche Auskünfte und ein Vermittlungsstau

Ihre Schilderung füllt drei eng beschriebene Seiten. Acht überwiegend städtische Kitas hat sie kontaktiert, auf ihre besondere Situation hingewiesen. Darauf, dass durch den Tod des Kindes alle Ansprüche auf Mutterschutz und Elterngeld verfielen, ihr Mann durch Fernstudium und Abendkurse gebunden und sie als Architektin deshalb sofort zum Geldverdienen gezwungen sei.

Doch nichts fruchtete: Sie bekam nach und nach acht Absagen. „Immer mit der Begründung, bei mir gebe es keinen Migrationshintergrund.” Jetzt sah sich Lange nach einer Tagesmutter um: Bekam aber auf die Schnelle keine. Klaus Kaselofski vom Jugendamt erklärte warum: Langes Anfrage war genau in die Zeit geraten, indem es aufgrund neuer Vorschriften „einen Prüfungsstau” für Tageseltern gab und damit „drei bis vier Monate schlechte Vermittlung.”

Ein Vater bringt sein Kind in eine Kita. Foto: ddp

Lange landete schließlich bei einem, wie sie sagt, „Kinderbetreuungsring” in Unterbilk, sie sollte für die Unterbringung des Kindes in einer Einzimmerwohnung 6,50 Euro die Stunde bar und im Voraus bezahlen. Was gestern offenbar sowohl die unwissende Verwaltung als auch die Politik überraschte, aber kalt ließ: Keiner weiß was darüber, niemand hakte nach!

Zu wenig Plätze für unter Dreijährige

Auch bei privaten Kitas fand sie keine Lösung. Die schaffte sie selbst: Ihre Mutter sprang monatelang ein, als die krank wurde, „ging ich arbeiten, wenn mein Sohn Mittagsschlaf hielt!”

Kürzlich fand sie einen Platz. SPD und Grüne gaben ihr Recht: Plätze für unter Dreijährige (derzeit für 14.000 Kinder) gebe es zu wenige, weshalb die Versorgungsquote von bis 2013 von 30 auf 40 Prozent erhöht werden soll. Alle Plätze seien aber - trotz falscher Angaben - nicht vorrangig für Migrantenkinder gedacht. 500 neue werden an 2010 geschaffen. Das Mangelthema, so hieß es im Ausschuss, wird nun erneut dem Jugendhilfeausschuss aufgetischt.

Anna Lewy

Kommentare
02.02.2010
11:26
Öffentliche Kitas halfen Mutter in Not nicht
von sternschnüppchen | #59

Als wir vor einigen Jahren aus beruflichen Gründen ins Ruhrgebiet zogen, bekamen wir auch keinen Kindergartenplatz für unseren jüngsten (3 J.) in...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Rheinkirmes: Die schönsten Bilder
Bildgalerie
Kirmesspektakel
Großbrand in Düsseldorf
Bildgalerie
Großbrand
Das ist der neue „Superstar“ bei RTL
Bildgalerie
Casting-Show
Flug über Düsseldorf
Bildgalerie
Von oben
article
2246223
Öffentliche Kitas halfen Mutter in Not nicht
Öffentliche Kitas halfen Mutter in Not nicht
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/oeffentliche-kitas-halfen-mutter-in-not-nicht-id2246223.html
2009-12-11 15:48
Düsseldorf