OB Geisel will im Sommerurlaub Düsseldorfer Mundart lernen

Oberbürgermeister Thomas Geisel will im Urlaub Rheinisch pauken. Heinrich Spohrs (l.) neues Buch.
Oberbürgermeister Thomas Geisel will im Urlaub Rheinisch pauken. Heinrich Spohrs (l.) neues Buch.
Foto: Christine Holthoff
Was wir bereits wissen
Oberbürgermeister Thomas Geisel hat nach eigenen Angaben noch Nachholbedarf im Rheinischen. Hilfe gibt ein neues Mundart-Buch von Heinrich Spohr.

Da hat sich der Oberbürgermeister selbst ein schönes „Gebrassel“ aufgehalst. Und alles nur, weil er nie mehr so „jelackmeiert“ sein möchte, wie kurz nach seinem Amtsantritt. Die Wörter in Düsseldorfer Mundart, die man ihm damals als Quiz vorsetzte, klangen wohl alle wie „Kauderwelsch“. Doch das wird sich ändern. Denn diesen Sommer wird nicht „jefuulenzt“, sondern gepaukt: rheinische Vokabeln nämlich. Dass das nicht gelingen könnte, deswegen muss er sich nicht „bange mahken“. Schließlich erhielt er gestern eines der ersten Exemplare von „Dr Affekat em Zuppejröns“, dem neusten Werk zur Sprache der Düsseldorfer aus der Feder von Heinrich Spohr.

„Mittlerweile hat sich zwar die ein oder andere Wendung bei mir eingeprägt“, sagte Geisel bei der Buchübergabe im Jan-Wellem-Saal des Rathauses, – „Fisternöllchen“ etwa, ein heimliches Verhältnis –, „bei einem ersten Blick ins Buch habe ich aber festgestellt, dass es noch viel zu lernen gibt.“ Und so will er sich ein Beispiel an seinen Töchtern nehmen, die für die Sommerferien großes Vokabelpauken angekündigt haben.

Immer mehr Düsseldorfer interessieren sich für Mundart

Hält Geisel Wort, dann liegt ein ordentliches Pensum vor ihm: 555 Begriffe hat Heinrich Spohr in seinem Buch zusammengetragen. Anders als bei seinem 2013 erschienenen Wörterbuch der Düsseldorfer Mundart ging es dem studierten Geographen und Sprachwissenschaftler diesmal aber auch um die Herkunft der Wörter. Der „Affekat“ im Buchtitel habe zum Beispiel rein gar nichts mit einem Affen zu tun, sondern stamme vom lateinischen „advocatus“ und dem französischen „l’avocat“ ab, zu Deutsch: der Anwalt. Und damit der sich nicht so ungeschickt durchs „Zuppejröns“ (Suppengrün) der Mundart bewegt wie der Storch durch den Salat, hilft Spohr ihm auf 255 Seiten auf die Sprünge.

Zwar sind vielen Düsseldorfern die alten Begriffe inzwischen „flöte jejangen“, doch das Interesse an ihrer Bedeutung sei immer noch da, sagt Spohr: „Es steigt sogar wieder. Nicht nur auf dem Carlsplatz.“

Einer, der diese Entwicklung wohl nicht gutheißen würde, ist ausgerechnet der bekannteste Sohn der Stadt, Dichter Heinrich Heine. Er soll einst gesagt haben: „In der Sprache der Düsseldorfer merkt man schon den Übergang ins Froschgequäke der holländischen Sümpfe.“

Das Rheinische lebt

Eine Einstellung, der sich Spohr nicht anschließen mag. Im Gegenteil: Er freut sich immer wieder, wenn ihm neue alte Schätzchen zu Ohren kommen. Erst am Donnerstag sei ihm während eines Ausflugs zum Bücherbummel wieder ein unbekannter Begriff untergekommen: „Muppes“, was so viel heiße wie „ein kleiner dicker Hund“ oder auch „ein kleingewachsener Mann“. „Das ist das Schöne“, sagt Spohr: „Es hört nie auf.“