OB Geisel macht blau

OB Thomas Geisel mit der NRW-Europaministerin Angelica Schwall-Düren wirbelt Geisel.
OB Thomas Geisel mit der NRW-Europaministerin Angelica Schwall-Düren wirbelt Geisel.
Foto: Neubauer
Was wir bereits wissen
Viele hundert Menschen feierten die Kontinental-Gemeinschaft im Düsseldorfer Rathaus. Und diskutierten die Probleme.

Düsseldorf..  Akropolis, adieu? Ein Austritt der Griechen aus der Europäischen Union? Davon will Herr Trikkos nichts wissen. Und lenkt den Blick weg von den schnöden Milliarden hin zum europäischen Erbe. Kulturelle Wurzeln reichen so viel tiefer als alle Schulden. Also hat sich die griechische Ergänzungsschule Düsseldorf zusammen mit dem Generalkonsulat entschlossen, die Akropolis in die Rathausmitte zu stellen - als Video, als Modell zum Anfassen und als Malvorlage für die Kinder. „Wir bekommen durchweg positive Resonanz und viele freundliche Kommentare“, sagt der Mann mit dem passendsten Vornamen des ganzen Europatags im Rathaus. Herr Trikkos, der Leiter der griechischen Ergänzungsschule, heißt Odysseus.

Es ist eine Aufgabe für Götter, die Europäische Union positiv zu verkaufen. Und für Thomas Geisel. Der Oberbürgermeister hat Europa erstmals ins Rathaus geholt. Das lässt sich nach 14 Jahren draußen auf dem Vorplatz als ein Zeichen deuten – und wettersicherer ist es obendrein. Zusammen mit der NRW-Europaministerin Angelica Schwall-Düren wirbelt Geisel in 18,5 Minuten über zwei Etagen, löst das Europa-Quiz in 69 Sekunden am Computer-Terminal fehlerfrei, während die Ministerin, nun ja, patzt. Beide blicken furchtlos durch 3-D-Brillen auf Ungarns schönste Seiten, und Schwall-Düren schnüffelt an einem Fläschchen, das den Duft Spaniens in sich bergen soll: „Oh, das ist Zitrone.“

Unwetterwolken am gesamteuropäischen Horizont

Es könnte so ein schöner Tag sein – selbst mit der kruden Mischung aus Tourismusmesse, Geschichtsquiz und der an Kirchentage erinnernden Aktionen. Wenn da nicht die Unwetterwolken am gesamteuropäischen Horizont besonders tief hingen. „Ohne Zoll, ohne Pass und mit nur einer Währung in der Tasche wollen alle durch Europa reisen“, hat Oberbürgermeister Geisel beobachtet. Dabei sei diese Selbstverständlichkeit gar keine – 70 Jahre, nachdem der zweite Weltkrieg den Kontinent pulverisierte. Er verkürzt sein Europabekenntnis volkstümlich: „Deutschland braucht man eigentlich nur noch zum Fußballspielen – damit es eine Nationalmannschaft gibt.“

Doch wie ist das mit der Monsterbürokratie in Brüssel, mit den zu tausenden im Mittelmeer elendig ersaufenden Flüchtlingen, mit Ukrainekrise und Griechendebakel? Es ist der Europaminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, der das letzte Lied des Schulchores des Annette von Droste Hülshoff-Gymnasiums in Benrath für eine Antwort nutzt: Freddy Mercury von Queen sang „Don’t stop me now“ im Original. „Ein Mann mit einem eigenen Lebensentwurf, den er nur in Europa realisieren konnte.“

Roth riet den Zuhörern, sich einzumischen: „Machen Sie der Politik Beine!“ Es komme nicht alles Schlechte aus Brüssel und alles Gute aus Berlin. Wer den Griechen, Italienern, Spaniern rate: „Löst Eure Probleme mal schön selbst!“ gefährde den deutschen Wohlstand.