OB-Büroleiter sorgt sich um Jan Wellem - Gitterzaun soll weg

So sieht der triste Alltag von Kurfürst Jan Wellem auf dem Marktplatz vor dem Rathaus aus: umgeben vom Gitterzaun.
So sieht der triste Alltag von Kurfürst Jan Wellem auf dem Marktplatz vor dem Rathaus aus: umgeben vom Gitterzaun.
Foto: sergej lepke
Was wir bereits wissen
Jochen Wirtz, Büroleiter von Oberbürgermeister Thomas Geisel, hat auf Facebook vorgeschlagen, den Zaun um das Reiterstandbild ganzjährig zu entfernen.

Düsseldorf..  An Karneval durfte er ihn mal wieder genießen, den Duft der Freiheit. Denn dann wird Kurfürst Jan Wellem traditionell vom Zaun befreit, der ihn – oder vielmehr sein Reiterstandbild – das restliche Jahr über umgibt. Warum gestattet man ihm diese Volksnähe eigentlich nur während der tollen Tage, fragte sich jetzt Jochen Wirtz, Büroleiter von Oberbürgermeister Thomas Geisel und startete kurzerhand die Aktion „Free Jan Wellem“ („Befreit Jan Wellem“) auf seiner Facebook-Seite.

„Zu Karneval wird das Gitter um den Jan Wellem auf dem Rathausvorplatz für ein paar Tage abgebaut. Ich finde, ohne Gitter sieht das viel besser aus. Das sollte das ganze Jahr so sein. Wenn man dann noch ein paar Bänke um das Denkmal herum aufstellen würde, hätte man eine richtigen schönen Platz, auf den man schön sitzen kann, mitten in der Altstadt“, schreibt Wirtz auf Facebook.

Leibgarde für Jan Wellem?

Die Reaktionen reichen von „Sehr gute Idee“ bis „Leider nicht umsetzbar“. „Wenn wir weniger El Arenal in der Nachbarschaft hätten, wäre ich sofort bei der Aktion ‘Free Willy’ dabei“, schreibt ein Nutzer des Sozialen Netzwerks. Er fürchtet jedoch, dass das Standbild ohne schützenden Gitterzaun vom Altstadt-Partyvolk als Klettergerüst oder „edelstes Urinal der Stadt“ missbraucht werden könnte.

Andreas Meyer-Falcke, Beigeordneter im städtischen Verwaltungsvorstand, bringt der schützenswerte Kurfürst auf eine ganz neue Einnahmequelle für die Landeshauptstadt: „Was für London seine Bärenfellmützenträger sind, könnte für Düsseldorf doch dann ganzjährig die Garde des OB sein: Ich sehe schon die Schlangen an Touristen quer durch die Altstadt, ihre iPhones verzückt gezückt.“

Eine andere Nutzerin spricht sich für einen Teilzeit-Zaun aus: „Wie wäre es mit einem versenkbaren Gitter, das man am Tag in den Boden einlässt und in der Nacht hochzieht, wobei dann auch die aufgestellten Bänke ‘ummantelt’ wären?“

Jan Wellem setzte sich Denkmal selbst

Seit 1711 schaut Jan Wellem hoch zu Ross auf das Treiben in der Altstadt herunter. Das Standbild, das sich der Kurfürst noch zu Lebzeiten selbst setzen ließ, ist das Werk des italienisch-flämischen Bildhauers Gabriel de Grupello. Die Barockplastik wiegt rund 8000 Kilogramm und zeigt den Landsherren, der eigentlich Johann Wilhelm hieß, in Rüstung sowie mit Kurhut, Ordenskette und Marschallstab. Den Kosenamen Jan Wellem gaben ihm die damals Niederfränkisch sprechenden Düsseldorfer, bei denen der Kurfürst sehr beliebt war.

Laut Legende habe die „dankbare Bürgerschaft“ das Standbild sogar gestiftet. Weil dem Künstler das Material ausgegangen war, soll der Gießerjunge an die Türen der Düsseldorfer geklopft und um Spenden in Form von Silberbesteck gebeten haben – mit Erfolg. Auch dieser junge Mann ist übrigens auf dem Marktplatz verewigt: schräg links hinter Jan Wellem. Übrigens ganz ohne Gitterzaun ...