NRZ-Mitarbeiterin war Komparsin beim Münster-Tatort

Eine Szene aus dem Tatort am Sonntag:
Eine Szene aus dem Tatort am Sonntag:
Foto: WDR/Martin Valentin Menke
Eigentlich sollen die Tatort-Komparsen die Schauspieler nicht ansprechen. Düsseldorferin Pamela Broszat kam trotzdem mit Axel Prahl „ins Gespräch“.

Düsseldorf/Monheim..  Die Düsseldorfer NRZ-Mitarbeiterin Pamela Broszat war Komparsin bei Dreharbeiten für den neuen Tatort aus Münster, der teilweise in Monheim gedreht wurde. Hier ihr Bericht.

Sonntagabend schlägt die große Stunde. Dann läuft der Münsteraner Tatort „Erkläre Chimäre“. Wir erwarten ihn mit Höchstspannung! Weil wir für einen Wimpernschlag unscharf im Hintergrund zu sehen sein könnten. In der Komparsenrolle einer Krankenschwester. Vermutlich ist „unsere Szene“ herausgeschnitten worden. Egal. Wie es dazu kam, lesen Sie hier:

Ein Abend in der letzten Oktoberwoche 2014. Überleben ist eingemummelt auf dem Chaiselongue möglich. Die einzige Gefahr geht von einer 800 Grammpackung Champagnertrüffel aus. Da – ein Klingelton durchschneidet die Stille des Raums! Wir verschlucken uns an den Pralinées. „Ja?“, röcheln wir in den Hörer, um im nächsten Moment senkrecht auf der Couch zu sitzen. Was war passiert?

St.-Josef-Krankenhaus ist oft Drehkulisse

Am anderen Ende meldete sich die Agentur Eick: „Guten Abend. Wir suchen Komparsen für den Münsteraner Tatort. Hätten Sie einen Tag Zeit?“ Haben wir, versuchen wir mit der Abgeklärtheit eines Serientäters zu vermitteln. Die Dreharbeiten sind in Monheim, im früheren St.-Josef-Krankenhaus. Unsere Anwesenheit sei ab acht Uhr erwünscht. Es folgt die Einweisung. Eine weitere Krankenschwester werde gebraucht. Falls wir weiße T-Shirts hätten, sei es ganz wunderbar diese mitzubringen. Die Aufwandsentschädigung betrage 50 Euro. Letzteres ist uns schnuppe. Die Möglichkeit, zeitgleich mit Axel Prahl alias Hauptkommissar Frank Thiel am selben Ort zu sein, verursacht Schnappatmung. „Sprechen Sie die Schauspieler nicht an“, zählt zu den weiteren Standardsätzen der Agentur. Ja klar. Nur gucken. Kein Problem.

Das St.-Josef-Krankenhaus wird seit seiner Stilllegung gern als Kulisse für Dreharbeiten genutzt. So sind die Monheimer die Anwesenheit von TV-Stars gewöhnt. Dennoch: Am Drehtag versammelt sich eine Gruppe Neugieriger am Zaun und spinxt auf das Gelände. Im Schatten der Technik-LKW steht der Verpflegungswagen. Ein wichtiger Ort. Dort treffen Komparsen auf Schauspieler und die Filmcrew. Inzwischen tragen die Laien weiße Kittel und ziehen die Blicke der Voyeure auf sich. Was für ein Gefühl, beim Kaffee trinken beobachtet zu werden. Dabei zu sehen, wie es im Kopf des Betrachters arbeitet: „Ist die eigentlich bekannt?“ Zwei schießen Handyfotos. Das ist fast das Spannendste des langen Tages. Dreharbeiten bestehen zu 90 Prozent aus Warten. Dann: „Können für die nächste Szene zwei von euch aus dem Krankenzimmer kommen? Danke!“ Der Moment wird vier Mal aufgenommen, der Regisseur ist zufrieden. Anschließend unterhalten sich die Komparsen im Aufenthaltsraum. Jeder von ihnen ist supercool. „Ist das dein erstes Mal?“ „Nein, natürlich nicht!“

Kommissar Thiel gibt den Löffel ab

Es gibt Mittagessen. „Kommen Sie bitte erst, wenn die Schauspieler gegessen haben“, heißt es freundlich. Dann wieder ein Einsatz. „Gehen Sie alle über den Flur, wir brauchen noch Atmosphäre“. Schnellen Schritts huschen wir den Gang entlang, öffnen und schließen die Türen der Krankenzimmer. Es macht Spaß, ein Hintergrundgeräusch zu sein. Doch das Beste des Tages ist: Axel Prahl hat uns angesprochen. Am Verpflegungswagen. Als wir einen Kaffee geholt haben. „Brauchen Sie einen Löffel?“, hat er gefragt. Hach!