Neues Leben in Südafrika
14.11.2008 | 19:29 Uhr 2008-11-14T19:29:28+0100AUSWANDERER. Den Hildener Horst Oppermann (48) zog es vor zehn Jahren nach Durban. Hier gründete der Chemie-Ingenieur eine Familie. Er will nicht wieder zurück nach Deutschland.
HILDEN/DURBAN. Das Leben für Horst Oppermann war nie leicht. Aufgewachsen an der Schweizer Grenze, kam er 1970 mit zehn Jahren nach Hilden. "Es fiel mir schwer, hier Fuß zu fassen", erinnert sich der 48-Jährige. Hilden hat er hinter sich gelassen. Horst Oppermann lebt seit zehn Jahren in Südafrika. In Forest Hill, 30 Kilometer entfernt von Durban. Glücklich ist er hier mit Frau und den Töchtern Katharina (9) und Marie (6). Doch bis dahin war es ein langer Weg...
Horst Oppermann besuchte Helmholtz-Gymnasium und Fabry-Realschule, anschließend Lehre bei Henkel, Bundeswehr, Studium. Dann nahm das Leben seinen typischen Lauf: Haus-Kauf, Hochzeit, ein Kind. "Das nächste wäre irgendwann die Rente gewesen", sagt Oppermann. Es kam anders: Ehekrise, Trennung, finanzielle Probleme. Um über die Runden zu kommen, fuhr der Ingenieur abends Zeitungen aus. "Schlimmer kann es gar nicht kommen." Dachte er! Wieder kam es anders: Er verlor seine Arbeit.
Beim Arbeitsamt wurde ihm ein lukrativer Job in der Kunststoff-Branche geboten. Nur in Südafrika. "Ich wollte schon immer weg aus Deutschland, nun hielt mich nichts mehr", erinnert sich Oppermann an die damalige Situation. Er bewarb sich - und wurde genommen. Zunächst arbeitete er einige Wochen in der Luxemburger Niederlassung, bevor es zum Vorstellungsgespräch nach Südafrika ging.
"Und dann noch die nette Kollegin..."
Im selben Flieger saß eine Mitarbeiterin aus der Zentrale. "Weil sie eine Veränderung wollte, bot man ihr eine Stelle bei der Tochterfirma an", so Oppermann. "Da wir den selben Flieger und das selbe Ziel hatten, wurde sie beauftragt, sich um den Bewerber Oppermann zu kümmern." Nach der Vorstellung in Südafrika überlegte Oppermann nicht lange: "Afrika ist schon was. Ich wollte ja immer schon weg." Und dann noch die nette Kollegin...
Oppermann sagte zu, verkaufte das nicht abbezahlte Haus in Deutschland, regelte, was zu regeln war - und flog (wieder mit der netten Kollegin) zum Arbeitsstart nach Südafrika. Von den zwei Zimmern für ihn und die Kollegin, die zum Start in Südafrika in einem Hotel gemietet waren, bestellte er eins ab. Die Entscheidung war goldrichtig. Seit zehn Jahren lebt Oppermann nun in Südafrika, hat in der Lutheranischen Kirche in New Germany bei Durban die "nette Kollegin" geheiratet. Heute hat er zwei Töchter, die besser englisch als deutsch sprechen. "Und Frau Oppermann kümmert sich immer noch sehr gut um mich", lacht er.
Das Schicksal hat es Horst Oppermann nicht immer leicht gemacht. Doch zurückblickend sagte er: "Es ist es eine schöne Erfahrung, alles zu verlieren, Familie, Arbeit, Haus - und alles wieder zurück zu bekommen, nur viel, viel schöner als vorher..."
Hat Horst Oppermann seine Auswanderung bereut? "Nie", sagt er. Sicher, Heimweh gibt es. Er vermisst Altbier, Muscheln bei Benders Marie, durch einen deutschen Wald zu gehen oder eine sichere Stadt. Will er zurück? "Nicht wirklich, auch wenn nicht alles rosig ist in Südafrika: Die Kriminalität ist extrem, ebenso die Zahl der HIV-Kranken, das soziale Netz ist sehr dünn." Seiner Firma, die unter anderem Lkw-Planen und Sitzkunstleder produziert, geht's nicht gut. Doch der Chemie-Ingenieur hofft, dass sie überlebt. Mit ihm. Denn: "Zurück zu gehen, ist nicht unsere erste Wahl."
Und eine Sonne, die über dem Haus scheint
Horst Oppermann weiß nicht, ob er hier noch arbeiten könnte. In Deutschland sei alles so formell. Bei der Arbeit trägt er kurzärmeliges Hemd, eine Krawatte hatte er schon lange nicht mehr um. Und egal ob Firmen-Chef oder Hausmeister, in Südafrika reden sie ihn mit Vornamen an. "Finanziell würde ich in Deutschland viel besser stehen", sagt Oppermann. "Aber so ein Leben wie hier könnte ich mir nicht leisten: Swimmingpool, draußen die gleichen Temperaturen wie innen und als Wichtigstes: "Eine Sonne, die über dem Haus scheint..."
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