Neuer Krach bei Heine
13.08.2008 | 12:16 Uhr 2008-08-13T12:16:00+0200Das nächste Kapitel im Nachbarschaftsstreit um das Heine-Haus.
Ein idyllischer Sonntagmittag. Der niederländische Schriftsteller Maarten t'Hart liest aus seinem neuen Roman, das Publikum im Heine Haus lauscht andächtig. Bis plötzlich von der Terrasse darüber lautes Hämmern ertönt. FDP-Politikerin Veronika Dübgen, wieder mal unter den Zuhörern, traute ihren Ohren kaum. „Wir haben wiederholt um Ruhe gebeten - nichts." Auch ein Radio mit Schlagermusik wurde nicht abgeschaltet. Dübgen klingt empört, wenn sie vom neuen Kapitel Nachbarschaftsstreit an der Bolker Straße 53 berichtet. „Wir haben uns so lang für das Heine Haus als Literaturhaus stark gemacht - und nun das!" Sie will die Kontrahenten jetzt partout an einen Tisch bringen. Dübgen spricht für die Buchhändler Müller & Böhm: „Das ist ein Nervenkrieg. Es ist fünf vor zwölf, dass endlich etwas passiert." Doch die andere Konfliktpartei, die ehemaligen Eigentümer des Hauses, schweigt beharrlich.
Ärger gab es von Anfang an (die berichtete). Die Stadt hatte den einstigen Besitzern 1990 beim Kauf des Hauses lebenslanges Wohnrecht garantiert. Im Februar 2006 eröffnete dann das Buchhändlerpaar Selinde Böhm und Rudolf Müller im Erdgeschoss ein Ladenlokal mit Veranstaltungsraum. Ein Pächter für das Café wird noch gesucht, bisher wird es von Müller & Böhm selbst betrieben. Nun finden im Heine-Geburtshaus regelmäßig Lesungen statt, die auch im Umland einen guten Ruf genießen. „In- und ausländische Autoren reißen sich darum, bei den Müllers zu lesen", berichtet Dübgen. Und jetzt das. Bereits beim Thema Müll schieden sich die Geister, wurde den Buchhändlern untersagt, entsprechende Einrichtungen zu benutzen. Dieser Konflikt schaffte es sogar bis vor den Kulturausschuss, konnte aber mittlerweile beigelegt werden.
Dafür kommt es jetzt regelmäßig zu Behinderungen der Lesungen durch Handwerkerarbeiten und laute Musik. „Das am Sonntag war kein Einzelfall", sagt Dübgen. Schon der letzte Auftritt Durs Grünbeins sei von den ehemaligen Hausbesitzern „massiv gestört worden. Dabei sind das leise poetische Veranstaltungen mit einem anständigen Publikum." Ihr Urteil: „Die Stadt ist nicht in der Lage, den Krieg um Müll, Lärm und Literatur für alle Beteiligten zufriedenstellend zu lösen." Und damit stehe auch der mühsam aufgebaute Ruf Düsseldorfs als Literaturstadt auf dem Spiel.
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