Name des mutmaßlichen NSU-Helfers Carsten S. wurde aus Verfassungsschutzbericht gestrichen

Wer war der frühere Carsten S.? Über die Vergangenheit des mutmaßlichen Terrorhelfers werden immer mehr Details bekannt.  Foto: dapd
Wer war der frühere Carsten S.? Über die Vergangenheit des mutmaßlichen Terrorhelfers werden immer mehr Details bekannt. Foto: dapd
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Was wir bereits wissen
Die Kollegen des mutmaßlichen NSU-Helfers Carsten S., der vor einer Woche in Oberbilk festgenommen wurde, sind verunsichert. Der Sozialberater (31) muss geahnt haben, dass die Ermittler ihm auf der Spur waren. Im Verfassungsschutzbericht des Jahres 2000 wurde sein Name gestrichen.

Düsseldorf.. Knapp eine Woche nach der Festnahme des mutmaßlichen früheren Unterstützers der braunen Zwickauer Terrorzelle, Carsten S., in Düsseldorf-Oberbilk werden zwar immer mehr Details über die Vergangenheit des 31-jährigen Sozialberaters bekannt, aber ein klares Gesamtbild ergibt sich noch lange nicht.

Sein Umkreis in Düsseldorf scheint verunsichert, gerade seine Kollegen der Aids-Hilfe sind es, von dem eine sagte, dass „ich ihn wirklich als tollen Kollegen erlebt habe“. Aber wer ist Carsten S., wer war der frühere Carsten S., dem der Generalbundesanwalt Beihilfe für sechs Morde vorwirft? Was tat er? Und was wusste er?

Er, der 2001/2002 mit dabei geholfen haben soll, dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) eine Schusswaffe zu besorgen, der zeitweise der einzige gewesen sein soll, der mit dem untergetauchten Neonazi-Trio in Kontakt gestanden habe. Der nach einem Focus-Bericht im Mai 1999 in die Wohnung der mutmaßlichen Terroristin Beate Zschäpe eingedrungen sein soll, um Sachen für sie herauszuholen.

Im Verfassungsschutzbericht wurde sein Name gestrichen

Über eine Zeit lang stand er im Visier des Thüringer Verfassungsschutzes. Im Verfassungsschutzbericht 2000 wurde sein Name aber gestrichen, angeblich weil ein V-Mann weitergegeben habe, dass Carsten S. seine Kaderfunktionen bei der NPD und den Jungen Nationaldemokraten plötzlich aufgegeben habe.

Der genaue Zeitpunkt seines Rückzuges aus der Neonazi-Szene ist nicht klar. Fest steht nur, dass er Ende 2003 in Düsseldorf wohl ein völlig neues Leben beginnen wollte. Er war ein Aussteiger, brach mit seiner Vergangenheit – und vielleicht hatte er dabei auch verdrängt. Dass er in der Neonazi-Szene gewesen war, darüber sprach er damals zwar offen, aber über irgendwelche Kontakte zu untergetauchten, gar terroristischen Rechtsextremisten bis zuletzt wohl kein Wort. Dass die Ermittler ihm auf den Fersen waren, muss er aufgrund mehrerer Presseberichte bereits vor seiner Festnahme geahnt haben. Einen Anwalt hatte er schon. Dass gleich die GSG 9 anrückte, damit hatte er weniger gerechnet. Sie war auch gar nicht nötig. Er blieb so, wie man ihn in Düsseldorf kannte: friedlich.

„Abtrünnigen eine Chance für einen Neuanfang geben“

„Man muss abwarten, was ihm tatsächlich zur Last gelegt werden kann“, betonte der linke Ratsherr Frank Laubenburg. „Das alles muss aufgeklärt werden.“ Aber grundsätzlich sei es richtig, Abtrünnigen eine Chance für einen Neuanfang zu geben. „Das wäre sonst ein fatales Signal an diejenigen, die aus der Neonazi-Szene aussteigen wollen.“

„Wenn er etwas Strafbares gemacht hat, muss er dafür die Verantwortung übernehmen“, sagt Aids-Hilfe-Geschäftsführer Peter von der Forst und betont: In der Zeit bei der Aids-Hilfe (seit 2005) als Präventionsberater und Mitarbeiter in einem Jugendzentrum verhielt sich Carsten S. tadellos. „Er hat mit absoluter Sicherheit kein rechtsradikales Gedankengut verbreitet.“ Dass nach der Festnahme Kollegen und Gesprächspartner ratlos sind, ist verständlich. Von der Forst: „Wir bieten jedem Gespräche an. Und ich hoffe, dass sich die Aufregung auflöst.“