Nach Erwin wird vieles anders
08.06.2008 | 10:51 Uhr 2008-06-08T10:51:00+0200Seine Büroleiterin ist schon isoliert. Und die Dezernenten dürfen sich auf friedlichere Zeiten freuen.
Die beiden Papiercontainer, die vor einigen Tagen im Rathaushof standen, sie wirkten wie der stumme Ausdruck einer abgeschlossenen Ära. Mit dem Tod von Joachim Erwin werden aber nicht nur ein paar Aktenordner zugeklappt. Schon bevor feststeht, ob Dirk Elbers oder Karin Kortmann am 31. August das Rathaus erobern, steht fest, dass sich manches ändern wird. Und manches hat sich auch schon geändert.
Nicht einmal Elbers und Kortmann wissen genau, wie groß der Büroapparat Joachim Erwins gewesen ist, ein Stab, der mit über 60 Mitarbeitern zu den größten in deutschen Rathäusern zählt. Ob er kleiner wird, hängt auch mit dem Arbeitsstil des Nachfolgers oder der Nachfolgerin zusammen.
Erwin, der engste Kontrolle pflegte, beschäftigte unter anderem sogenannte Spiegelreferenten, die Kontakt zu den Fachdezernaten hielten und ihm Bericht erstatteten. Sie sind dem sicheren Vernehmen nach mittlerweile in ihre Dezernate zurückgekehrt.
Erwins engste Vertraute, Büroleiterin Christina Begale, hat ohne den schützenden Schatten ihres Mentors erwartungsgemäß im Rathaus keine Zukunft. Selbst wenn es CDU-regiert bliebe: Dirk Elbers schätzt sie so wenig wie sie ihn schätzt. Allerdings war es FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Begale vor einer Woche auf schmerzhafte Weise klar machte, dass sie unerwünscht ist: Sie sorgte dafür, dass Begale die Sitzung des Ältestenrates verlassen musste, die sie in alter Routine aufgesucht hatte.
Begale, die noch in der Geschäftsführung der städtischen Marketinggesellschaft DMT sitzt, wo ihre Rückendeckung nun freilich auch dahin ist, sucht einen neuen Job, ist zu hören. Ob ihr Ruf dabei hilfreich ist, wird man sehen.
Neben Begale zählte auch Kai Schumacher zum engen Zirkel der wenigen Erwin-Vertrauten. Der Rathaussprecher, Leiter des Amtes für Kommunikation, dürfte auch Elbers' Vertrauen genießen. Gewänne Kortmann die Wahl, müsste er als CDU-Freund den Schreibtisch vermutlich räumen.
Mit Spannung blickt die Dezernentenriege in die Zukunft. Manche haben unter dem scharfen Ton Erwins oder Begales in den morgendlichen Verwaltungskonferenzen durchaus gelitten und den Kopf eingezogen. Es dürfte künftig in jedem Fall friedlicher zugehen.
10:46
Ich glaube kaum, dass sich was ändern wird, wenn der neue OB Elbers heißt. Elbers hat ja schon angekündigt so weiter machen zu wollen.
14:59
Machen wir uns keine Sorgen um die Hinterbliebenen der Erwinista. Sie wird schon neue Herren finden und damit neue Ideale.
Aber Vorsicht! Es geht nicht nur um die direkten Diener, denn leider wollen schon jetzt diejenigen, wie auch Frau Strack-Zimmermann (die immerhin in einer Nachtundnebelaktion den Kaufvertrag für das Grundstück am Golzheimer Friedhof unterschrieb und damit den gesamten Stadtrat im Sinne des Oberbürgermeisters hinterging), die das System gerne unterstützten, nun von nichts mehr wissen. Dies zeigt ihre (durchaus berechtigte) Schroffheit bezüglich Frau Begale.
Ein nicht unwichtiger Aspekt bezüglich der baldigen OB-Wahl sollte also die Verknüpfung der Machtverhältnisse unter Erwin sein. Denn sie relativieren entscheidend den Glanz, der entsteht, wenn man Mißstände nicht ausreichend formulieren kann oder darf, weil der Verantwortliche zu mächtig oder (dies ist zutiefst zu bedauern) verstorben ist