Mythos 2.0: Elvis, Monroe, Donald Duck

Universitätsprofessor Peter Tepe beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Mythen. Foto: Kai Kitschenberg
Universitätsprofessor Peter Tepe beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Mythen. Foto: Kai Kitschenberg
Foto: NRZ_Kai Kitschenberg
Im Online-Magazin „Mythos“ des Literaturprofessors Peter Tepe kommen Studierende und Wissenschaftler Mythen und Legenden auf die Spur

Was ist ein Mythos? Ein Mythos wäre zum Beispiel die Behauptung, dass Universitäten Elfenbeintürme sind. Oder würde man hier vielleicht eher von einem Vorurteil sprechen? Ein Themenkomplex, in dem Peter Tepe sich auskennt.

Seit 25 Jahren beschäftigt sich der Philosoph, Buchautor und Literatur-Professor an der Heinrich-Heine-Universität mit Mythen und Ideologien. Und als Herausgeber eines vermutlich einzigartigen Online-Magazins widerspricht er dem Klischee vom weltfremden Philologen.

Mit reiner Buchgelehrsamkeit und Elfenbeinturm hat das „Mythos-Magazin” nämlich wenig zu tun. 2007 erblickte die Internet-Seite mit 37 Text-Beiträgen das Licht der digitalen Welt. Inzwischen sind 145 wissenschaftliche Publikationen hier gelistet, die sich kritisch mit Mythen, Ikonen, Legenden auseinandersetzen. Die meisten der Aufsätze sind Seminar- und Examensarbeiten von Studierenden, ein Blick in das Inhaltsverzeichnis verspricht Interessantes: Es geht um Feindbilder („Donald Duck in Nutsi Land”), moderne Pop-Mythen („Elvis - Der King lebt”), Medien („Die Lupo-Werbung mit Marilyn Monroe”) aber auch um beinharte Philosophie („Nietzsche im Feld der Ideologien”).

Die Titel lassen vermuten: Hier werden keine knochentrockenen Theorien gemahlen. Hohe wissenschaftliche Standards erfüllen dennoch alle Arbeiten, betont Tepe.

Inzwischen veröffentlichen neben Studenten auch Professoren und Wissenschaftler verschiedener Studienbereiche auf Tepes Online-Magazin. Mythen jedweder Art lassen sich mit wissenschaftlichen Methoden erforschen und erklären, da ist sich Tepe sicher.

Nationalhelden etwa entstünden meist durch Überhöhung bestimmter Charaktereigenschaften oder längst vergangener Taten. Das erfülle oft einen bestimmten Zweck, sagt der Dozent und zaubert mit Hermann dem Cherusker ein Beispiel aus dem Hut der Historie: „Im 19. Jahrhundert wurde der Germanenfürst im besetzten Deutschland als Symbol der Befreiung gefeiert und so zum Mythos verklärt”. Literaturwissenschaft, Ideologieforschung, Geschichte - der Blick über den Tellerrand bedeute ihm viel, sagt der Germanist. Und von jenseits des Tellerrandes schauen sie immer öfter auch zurück.

„Zuletzt habe ich eine E-Mail von einem norwegischen Professor erhalten, der Fragen zu einem Beitrag hatte”, erzählt Doktorandin Annette Greif, die das „Mythos-Magazin” als Redakteurin betreut. Die Zahl der Zugriffe auf die Seite steige stetig, zunehmend entwickle sich das Format zum digitalen Diskussionsraum, so Tepe. Dessen Besonderheit liege vor allem in der Aktualität: „Reaktionen, seien es Kritiken oder Zusprüche, können online sehr zeitnah erfolgen, was für eine rege Diskussion natürlich förderlich ist”.

Diskussionsstoff bietet alleine schon Tepes Theorie von der „kognitiven Hermeneutik“. Er und einige seiner Kollegen glauben, dass literarische Texte einen objektiven Sinngehalt haben. „Interpretationen können entsprechend falsch sein“, ist sich der Professor sicher und vertritt damit einen Standpunkt abseits der allgemeinen Lehrmeinung, nach der unterschiedliche Interpretationen desselben Textes möglich sind. In Wissenschaftskreisen können solch gegensätzliche Positionen durchaus für Wortgefechte sorgen, die online direkt ausgetragen werden.

Überhaupt werde das Internet als Publikationsforum immer mehr an Bedeutung gewinnen, glaubt Tepe und gibt damit vielleicht den Stoff für eine künftige Forschungsarbeit vor. Ihr Titel könnte lauten: „Mythos Internet am Beispiel des Mythos-Magazins”...