Mutter brach Baby den Arm
03.03.2008 | 20:21 Uhr 2008-03-03T20:21:46+0100GERICHT. 20 Monate auf Bewährung für Misshandlung von Schutzbefohlenen: 28-Jährige war mit schreiendem Säugling überfordert.
"Ich kann es mir auch nicht erklären", sagte die Angeklagte leise. Wie ein schüchternes Mädchen wirkte die 28-Jährige, die gestern wegen Misshandlung ihres Babys vor dem Amtsgericht stand. Sie hat ihrer vier Wochen alten Tochter Arm und Bein gebrochen. Das Gericht verurteilte sie zu 20 Monaten auf Bewährung.
Die Arzthelferin in der Kinder-Praxis war geschockt, als sie das kleine Mädchen auszog, das zur Vorsorge-Untersuchung gekommen war. Diese Schwellung des Arms sollte sich sofort der Arzt ansehen. Der überwies das Kind gleich in die Klinik. Der Säugling hatte einen gebrochenen Arm, in der Klinik fand man noch einen älteren Bruch und eine Knochenabsplitterung im Bein.
Im Gericht schilderte die Angeklagte zunächst ihre Überforderung nach der Geburt: "Alles stimmte nicht", sagte sie. Sie habe keine Milch gehabt, keine Muttergefühle empfunden. Das Baby habe immer geschrien, der zweijährige Bruder sei sehr wild gewesen. Sie war alleinerziehend, gerade erst nach Deutschland gekommen und hatte keine Hilfe.
Verletzung durch Massage?
Der Bruder habe das Kind vielleicht verletzt, versuchte sie zu erklären. Oder die Verletzungen seien bei einer Massage nach Art ihrer afrikanischen Heimat passiert. Dabei würden zur Beruhigung Arme und Beine nach hinten gezogen, die Gelenke massiert. Ein Gerichtsmediziner schloss das aus: "Kinderknochen sind sehr elastisch." Für solche Verletzungen sei viel Kraft nötig.
Nach einem Gespräch mit ihrem Verteidiger räumte die Frau ein, vielleicht sei sie bei der Massage doch mal zu weit gegangen, "einfach aus dem Gefühl: Ich halte das nicht mehr aus". Ein Gutachter bescheinigte ihr wegen Überforderung verminderte Schuldfähgigkeit.
Der Richter trug ihr auf, zu lernen, ihr Leben zu leben und sich, wenn nötig, Hilfe zu holen. Die junge Frau hatte damals auch keine Hebamme bestellt. Inzwischen macht sie eine Fortbildung zur Bürokraft und eine Therapie. Denn sie leidet unter der Trennung von den Kindern, die in Pflegefamilien leben. Jetzt soll ihr auch ein Bewährungshelfer zur Seite stehen.
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