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Courage

Mutig eingeschritten

20.01.2015 | 20:00 Uhr
Mutig eingeschritten

Düsseldorf.   Jürgen Keusen und 16 andere Düsseldorfer wurden gestern für Zivilcourage geehrt. OB Thomas Geisel zeichnete sie im Rathaus aus.

Fremdenfeindlichkeit ist zu Zeiten der Dügida-Demonstrationen wieder ein aktuelles Thema in Düsseldorf. „Dagegen muss etwas getan werden“, sagt Jürgen Keusen. Deshalb habe er sich auch der Gegendemonstration zu der ausländerfeindlichen Bewegung angeschlossen. Für Toleranz und Respekt hat der Rentner sich schon immer eingesetzt. Ganz besonders jedoch am 16. Juli 2013. Gestern wurde er, zusammen mit 16 anderen, besonders couragierten Düsseldorfern im Rathaus von Oberbürgermeister Thomas Geisel mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.

Ein ganz normaler Dienstag, gegen 18.30 Uhr saß der heute 63-jährige Keusen in der Straßenbahn der Linie 701 in Richtung Rath. Er beobachtete, wie ein dunkelhäutiger Mann mit seiner einjährigen Tochter einstieg und sich auf einen Platz setzten wollte, auf dem eine Frau ihre Handtasche abgestellt hatte. Der Mann bat darum, sich setzten zu dürfen. „Was die Dame dann antwortete, finde ich bis heute unfassbar“, erzählt Keusen. Die Frau verweigerte dem Mann den Platz, mit der Begründung, sie sei Deutsche, habe ein Ticket gekauft und der dunkelhäutige Mann habe keinen Platz verdient. Der Mann nahm daraufhin die Tasche selber weg und setzte sich, hievte seine kleine Tochter auf den Schoß.

„Die Frau reagierte dreist, und die Situation drohte zu eskalieren“, so Keusen, „als die Frau ihr Pfefferspray aus der Tasche holte, musste ich eingreifen.“ Keusen hinderte die Frau an der Pfefferspray-Attacke und überzeugte den Bahnfahrer, die Straßenbahn anzuhalten, die Polizei zu rufen und die Türen bis zum Eintreffen der Beamten geschlossen zu halten.

„Ich denke, jeder mit gesundem Menschenverstand hätte so gehandelt“, sagt Keusen. Er habe auch Hilfe von den anderen Insassen der Bahn bekommen. „Alle Anwesenden waren meiner Meinung und unterstützen mich.“

Auch heute hat ehemalige Versicherungsfachmann kein Verständnis für den Ausländerhass. „Deshalb habe ich mich auch den Gegendemonstrationen angeschlossen“, sagt er. Er sei sich auch bewusst, dass man das Thema Dügida und Pegida differenziert betrachten muss. „Unverrückbar muss aber die Würde aller Menschen bleiben. Wir sind alle gleich viel Wert und haben dementsprechend auch das gleiche Recht auf einen Sitzplatz in der Bahn.“ Für jemanden so Bösartiges, der Pfefferspray auf ein kleines Kind richtet, habe er keinerlei Verständnis.

OB Geisel bedankte sich bei Keusen und den anderen Bürgern, die in den vergangenen zwei Jahren Zivilcourage gezeigt hatten.

Sarina Zink

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2015-01-20 20:00
Düsseldorf