Musical-Autor klagt wegen Liebesszene

Eine Liebesszene von Maria Magdalena und Jesus Christus beim letzten Abendmahl, zudem ein frisch gedichteter „Energie- und Wutgesang“ von Maria – das war einem Literaten, der sich als Mitverfasser eines „Ostermusicals“ versteht, einfach zu viel: Anfang 2014 wollte er die Neuaufführung des von ihm 2006 mit erdachten, dann aber angeblich gegen seinen Willen weiter entwickelten Musikwerks per gerichtlicher Verfügung stoppen. Dazu kam es nicht, weil der Literat den Antrag flugs wieder zurückzog und mit fast 1000 Euro am Kartenverkauf für das Opus beteiligt wurde. Wer jetzt aber die Kosten für jenes juristische Intermezzo tragen muss, hat das Amtsgericht noch zu entscheiden.

Ein Laien-Chor aus Goch hatte im April 2014 das Oster-Musical erneut auf die Bühne gebracht – und einen großen Publikumserfolg gefeiert. Doch fast wäre das damals am Protest eines Mit-Urhebers gescheitert. Er fand, Änderungen am Stück würden „den ursprünglichen Sinn“ verfälschen und seien „handwerklich unsauber“ eingeführt. Eine von ihm verfasste Melodie sei geändert worden, ein Song für Maria hinzugefügt – und Maria Magdalena werde durchgängig als Geliebte Jesu dargestellt. Fakt ist: Nicht mal vier Wochen nach seinem Eilantrag wonach das Stück wegen dieser Änderungen unbedingt gestoppt werden müsse, erklärte er beim Amtsgericht den Fall plötzlich für „erledigt“.

Der Laien-Chor stimmte aber nicht zu, weil unklar war, wer die Gerichts- und Anwaltskosten trägt. Der Autor meint, der Laien-Chor müsse dafür geradestehen. Doch die Richterin ließ jetzt durchblicken, dass sich der Literat wohl irrt. Zumal der Laien-Chor kein eingetragener Verein ist, der verklagt werden kann, sondern ein loser Zusammenschluss sangesfreudiger Menschen zwischen zehn und achtzig Jahren. Demnach müsse der klagende Mit-Urheber wohl alle Kosten tragen. Eine förmliche Entscheidung des Gerichts steht zwar noch aus. Aber bei rund 4000 Euro Streitwert dürften jene Prozess- und Anwaltskosten jetzt wohl mehrere 100 Euro betragen.