Motive der Automatenbomber: Drogen- und Spielsucht

Foto: Franz Luthe
Was wir bereits wissen
Drogen- und Spielsucht sind eine explosive Mischung. Sie waren aller Wahrscheinlichkeit nach die Motive zweier Brüder für die vier Sprengstoff-Taten.

Düsseldorf..  Drogen- und Spielsucht sind eine explosive Mischung. Sie waren aller Wahrscheinlichkeit nach die Motive zweier Brüder für die vier Sprengstoff-Taten, die in den vergangenen Monaten die Menschen zwischen Rath und Mörsenbroich in Atem hielten. „Wir gehen stark davon aus, dass wir die Richtigen haben“, sagte gestern Kriminalhauptkommissar Dieter Töpfer. Die Polizei hatte am vergangenen Freitag Nikolai T. (28) und Alexander T. (33) dingfest gemacht und in U-Haft geschickt (die NRZ berichtete).

Die beiden Deutschrussen sollen im Juni, September und Dezember 2014 sowie in der Silvesternacht Geld- und Fahrkartenautomaten in Mörsenbroich und Rath gesprengt haben. Sie gaben bislang lediglich an, dass sie spielsüchtig seien und lassen sich ansonsten von Anwälten vertreten.

Auf die beiden Automatenbomber, die sich jeweils in einem Methadon-Programm befinden, warten längere Gefängnisaufenthalte. Für das „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ seien Haftstrafen „nicht unter einem Jahr“ vorgesehen, so Töpfer.

Nachdem bereits gegen den jüngeren Bruder verdeckt ermittelt wordne war, gingen Nikolai T. und Alexander T. der Polizei am Freitagnachmittag beim Ladendiebstahl im Gerresheimer „Bauhaus“ ins Netz. Das Duo wollte Funkgeräte und Druckminderer für Gasflaschen mitgehen lassen. Der 28-jährige Nikolai wehrte sich heftig gegen den Zugriff der Beamten, der 33-jährige Alexander konnte zunächst fliehen, wurde aber ein paar Straßenzüge weiter geschnappt. Die Polizei durchsuchte später die elterliche Wohnung der Brüder in Mörsenbroich. Dort wurden weitere Beweismittel (Gasflaschen, Einbruchswerkzeug, Drogen) sicher gestellt.

Den ersten, so wichtigen „Spurentreffer“, so Töpfer – und zwar vom jüngeren Bruder – landeten die Beamten in der Nacht zum 12. September. Am Vogelsanger Weg in Mörsenbroich, in unmittelbarer Nähe einer Spielhalle, hatten die Täter bereits zum zweiten Mal einen Geldautomaten gesprengt. Ebenfalls in der September-Nacht sollen Zeugen beobachtet haben, wie das Duo mit dem Fahrrad geflüchtet war. Töpfer: „Wir haben zunächst nicht nur in Düsseldorf gefahndet, aber diese Tatsache wies doch stark daraufhin, dass die Täter im näheren Umfeld zu suchen waren.“ Und: Die Gasflaschen, die bei den Explosionen zum Einsatz kamen, waren zuvor auf dem Gelände einer Reisholzer Firma gestohlen worden.

Die beiden Männer sind mehrfach vorbestraft, fast ausschließlich wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Nikolai T. hat seine letzte Haftstrafe im Januar 2014 abgesessen. Alexander T. verfügt über eine abgeschlossene Schweißerlehre und damit wohl über ausreichend Fachwissen, um die Taten auszuüben.

Bei den vier Explosionen entstand ein Gesamtsachschaden von weit mehr als 100 000 Euro.