Morrissey setzt Düsseldorf auf Nummer 2
29.12.2009 | 18:04 Uhr 2009-12-29T18:04:00+0100Düsseldorf. „Ein Jahr geht schnell vorüber” sang die Münchener Freiheit einst weise, und im wohlgesonnenen Rückblick auf die Konzertsaison möchte man fast Frank Sinatra zustimmen. „It was a very good year.”
Nun ja, nicht so ganz, aber vergessen wir das Mittelmaß - von dem es einiges gab - und schauen auf die Glanzpunkte zurück, zunächst einmal auf das vielleicht schönste Ereignis. Da spielte David Byrne in einer nicht mal ausverkauften Tonhalle die Songs, die er mit Brian Eno geschrieben hat als Performance mit hinreißenden Tänzern, die jedem Lied seine eigene Choreographie schenkten, was besonders die alten Talking-Heads-Klassiker in neuem Glanz erstrahlen ließ.
Reife Leistung von den reifen Stars
Der amerikanischen Band Sonic Youth und ihren Verbindungen zur Kunstszene hatten die Kunsthalle und KIT gleich eine ganze Ausstellung gewidmet. Unvergesslich blieb dabei auch der lustlose Aufritt von Bassistin Kim Gordon bei der Pressekonferenz. Das Konzert im 3001 zeigte eine Band auf der Höhe ihrer Kunst, die gleichwohl als abgeschlossen gelten darf. Ebenfalls legendär - Jane Birkin, einst Muse von Serge Gainsbourg. Sie verzauberte die Fans im Schumann-Saal mit einem äußerst charmanten und alterslosen Auftritt.
Überhaupt waren es oft die reiferen Künstler, die überzeugten. Zu denen darf man den 50-jährigen Morrissey zählen, nach zahlreichen Hiobsbotschaften zeigte er sich im Stahlwerk im November in guter Form, widmete Düsseldorf oder besser „Duzzledorf” einen Reim und bezeichnete das Konzert auf einer Fanseite im Internet sogar als sein zweitliebstes in diesem Jahr.
Auch die 61-jährige Grace Jones feierte in der Philipshalle ein grandioses Comeback, tanzte Hula-Hoop und trug extravagante Hutkreationen zur Schau. Vergessen sollte man auch Franz Ferdinand nicht, die trotz aller Unkenrufe so lebendig wie immer geblieben sind und im Dezember 3000 Fans in der Philipshalle jubeln ließen. Und wer im Februar das Oasis-Konzert in der ausverkauften Philipshalle sah, dürfte vielleicht einen der letzten Auftritte der Band um Liam und Noel Gallagher bejubelt haben. Denn wenige Monate später verkrachten sich die streitbaren Brüder endgültig - zumindest vorerst. Das Bewegendste:
Tanz auf leerer Bühne
Was den Indie-Bereich betrifft, zog es die meisten Bands wieder nach Köln. Immerhin konnte Bon Iver im Zakk die Erwartungen erfüllen, die er mit seinem intimen Album ausgelöst hatte, erwies sich jedoch weitaus zupackender als erwartet. An gleicher Stelle zeigte Wreckless Eric, eine Ikone aus Punkzeiten, mit seiner Frau Amy Rigby, dass man auch in Würde altern kann. Die Szene der Stadt hingegen bot wenig Neues, auch hier waren es die Etablierten wie Kreidler, die beeindruckten, als sie an zwei Abenden im Salon des Amateurs ihr famoses neues Album „Mosaik 2014” vorstellten. So viel zu den Konzerten, aber einige der schönsten Momente gab es im tanzhaus nrw zu sehen. So gaben Chunky Move mit „Mortal Engine” ein Beispiel dafür, dass gerade im zeitgenössischen Tanz betörende Bewegungen mit state-of-the art-Lichttechnik und elektronischen Sounds verbunden werden können. Dass es auch ganz ohne moderne Technik geht, bewies die kanadische Tänzerin Louise Lecavalier, auch bereits über fünfzig, nur mit einem Partner auf der leeren Bühne. Ihre von Tradition und Intuition gelenkten Schritte zum Song von Billie Holiday, „Getting Some Fun out of Life” - das war im Rückblick das Bewegendste. Und schon können wir ins nächste Jahr schauen, in dem nicht nur Größen wie Depeche Mode oder Eric Clapton mit Steve Winwood nach Düsseldorf kommen, sondern auch kleinere, vielleicht noch feinere Konzerte von Ex-Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer oder den Tindersticks (im zakk) angekündigt sind.
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