Monsieur hat für Schubert keine Zeit

Blumen für den Meister..
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Was wir bereits wissen
Der weltweit agierende Dirigent und Pianist Barenboim hat sich für mehrere 100 000 Euro einen eigenen Flügel bauen lassen. Mäßiger Auftritt in der Tonhalle.

Düsseldorf.. Für seinen Tonhallen-Auftritt im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr hatte Barenboim ein exklusives Hör-Erlebnis parat: Der weltweit agierende Dirigent und Pianist hat sich für mehrere 100 000 Euro einen eigenen Flügel bauen lassen, der alten und neuen Klang vereinen soll. Und ließ ihn jetzt – nur für dieses Konzert – in die Tonhalle transportieren. Auf diesem Modell „Barenboim“ – kreiert vom belgischen Klavierbaumeister Chris Maene in Verbindung mit Steinway Sons – spielte Barenboim jetzt späte Sonaten von Schubert, komponiert in seinem Todesjahr 1928.

Tonhalle nicht ausverkauft

Anders als bei seiner letzten Düsseldorf-Stippvisite als Pianist (ebenfalls mit Schubert) vor anderthalb Jahren, waren nun die Tonhalle nicht ausverkauft. Der Rang wurde erst gar nicht geöffnet, dafür waren Parkett- und Podiumsreihen voll. Denn wenn Barenboim auf den Plakaten steht, erwarten die meisten ja den Star-Dirigenten, was der 72jährige, gebürtige Argentinier zweifellos ist. Ein bedeutender Klavier-Interpret war Barenboim vielleicht mal vor 40 Jahren.

Wenn er heute die Spätwerke des Frühromantikers in C-moll und B-Dur spielt, wissen die meisten Klavier-Fans, dass dies nicht erst Sahne sein kann. Mit seinem immer noch beträchtlichen Tournee-Plan mit seinen diversen Orchestern hat Barenboim gar nicht die Zeit zum permanenten Üben und Ausfeilen – das, was ganz große Klavier-Interpreten eben tun. Monsieur schüttelt halt alles aus dem Ärmel. Er glaubt zumindest, er könne dies. Was ihm als Dirigenten gelingt – bei Tschaikowski-Symphonien oder Wagner-Opern – enttäuscht indes, wenn es um so feinnervige Werke wie die letzten Schubert-Sonaten geht. Und das ausgerechnet beim Klavierfestival Ruhr, das sich als das größte der Welt rühmt und bei dem sich die internationale Klavierelite die Klinke in die Hand gibt.

In der C-Moll-Sonate verhaut er sich nicht nur, sondern huscht über Schwierigkeiten in den schnellen Sätzen hinweg, spult Schubert runter. Meist ohne Seele, ohne Metaphysik. In seinem Element ist er indes in den langsamen Sätzen, in denen er seinem Barenboim-Klavier (das sehr warm, aber auch mulmig klingt) wunderbar liedhafte Phrasen entlockt. Sein facettenreicher Anschlag erlaubt ihm, die leisen, fließenden Abschiedslieder mit Seele zu füllen und den Hörer durch zarte Eleganz zu fesseln.

In diesen starken Momenten des Konzerts horcht man auf und ahnt etwas von Barenboims musikalischem Genie, für das ihn Fans rund um den Globus immer noch bewundern.

Letzterem galten wohl auch die anhaltenden stehenden Ovationen, die er huldvoll entgegen nimmt und sich mit zwei Schubert-Zugaben bedankt. Fazit: Es war ein Barenboim-Event mit Schubert-Sonaten, die vom künstlerischen eher keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ob das alles auf einem Steinway besser geklungen hätte? Kaum! Denn der Meister auf allen Kontinenten hat für Schubert einfach keine Zeit.