Modern, klassisch, bescheiden

Er ist und bleibt das „K“ im Namenskürzel des renommierten Düsseldorfer Architekturbüros RKW Rhode Kellermann Wawrowsky: Friedel Kellermann. Am 7. Februar vollendet der älteste und einzige noch amtierende Gründungsgesellschafter seinen 80. Geburtstag im kleinen Kreise und zieht sich nach 55 Jahren Tätigkeit als Architekt – davon 45 Jahre als Gesellschafter – aus der Geschäftsführung zurück.

Früh wusste der 1935 in Rheydt Geborene, der schon als Kind Holzklötzchen zu soliden Häusern verklebte, dass er etwas im technischen Bereich studieren wollte. Doch wessen Eltern konnten sich das damals leisten? So absolvierte Friedel Kellermann nach der Oberschule eine Maurerlehre, finanzierte sich damit sein Studium am Polytechnikum in Friedberg, das er als Diplom-Ingenieur Architekt abschloss. 1960 fand er beim Architekturbüro von Helmut Rhode in Düsseldorf eine offene Tür und wurde sogleich mitverantwortlich für die Horten Hauptverwaltung am Seestern, Düsseldorf, dem damals ersten, heute denkmalgeschützten, „Bürohaus ohne Wände“ in Deutschland.

Für Bauten des Horten Konzerns übernahm Kellermann bald die Federführung. 1971 gründeten Helmut Rhode, Friedel Kellermann und Hans-Günter Wawrowsky die Architektengemeinschaft RKW. Kellermann hatte bundesweit rund 50 Warenhäuser für Horten, Hertie, Karstadt, Kaufhof, P&C, Douglas realisiert, als er 1989 den Auftrag zur Neuplanung des Nordwest-Zentrums in Frankfurt a. M. erhielt. Seine moderne, öffnende Lösung für das Stadtteilzentrum aus den 60er Jahren setzte Maßstäbe für viele heutige Shopping Center und erhielt den internationalen Preis des „International Council of Shopping Centers“, der in Las Vegas verliehen wurde.

Kellermann sorgte mit dafür, dass das Büro neben seinem Schwerpunkt auf Handelsarchitektur heute auf nahezu allen Feldern der Architektur zuhause ist und Sportstätten wie die vielfach prämierte „Bernstein Arena“, Danzig zur Fußball-EM 2012 oder Industriebauten wie das Audi Elektrik-Center oder das Porsche-Design-Center geschaffen hat. Doch auch über seine reine Architekturkompetenz hinaus arbeitet RKW in den Bereichen Städtebau sowie Planung, Generalplanung, Ausführung und Baumanagement.

Dem entspricht auch die heutige Führungsstruktur, der nunmehr acht geschäftsführende Gesellschafter zugehören. Rund 300 Mitarbeiter sind heute bei RKW beschäftigt, darunter 250 Architekten. Es gibt weitere Büros in Leipzig, München, Warschau, Moskau.

Über 100 Preise in nationalen und internationalen Wettbewerben, darunter mehr als 50 erste Preise und zahlreiche Preise für vorbildliches Bauen zeugen vom Einfluss des Büros auf die zeitgenössische Architektur. Zu Friedel Kellermanns wichtigsten Bauten gehören das Centro Oberhausen (1996), die Europazentrale der ARAG in Düsseldorf gemeinsam mit Foster Partners (2001), die Douglas AG in Hagen (2000), das Haus der Ärzteschaft, Düsseldorf (2002, debitel in Stuttgart, (2002), Verwaltungsbauten wie das KundenServiceZentrum DB Cargo in Duisburg (1998), Deutsche Börse in Frankfurt a. M. (2000), größere Wohnungsbauprojekte in Düsseldorf und Köln, Sanierungsprojekte wie das Vodafone Hochhaus in Düsseldorf (2001), Verkehrsbauten wie der Hauptbahnhof Mannheim ( 2001), Bahnhof Oberstdorf (2001) und Urban Entertainment Center wie der Space Park in Bremen (2002).

Ihm wurden verschiedene nationale wie internationale Auszeichnungen zuteil, wie die Goldplakette des Bundesbauministers 1984, der BDA-Preis Nordrhein-Westphalen 1996, der ICSC International und European Design und Development Award 1980, der Special MIPIM Jury Award 1996, der ICSC European Shopping Center Award 2001, der MIPIM Award 2001. 615 Wörter 4.525 Zeichen) Abdruck honorarfrei Belegexemplar erbeten Wie blickt der Nestor des Architekturbüros heute auf „sein“ Büro?

„Ich glaube, wir haben das Erbe von Helmut Rhode gut übernommen. Mit den jetzigen Partnern, die den Aufgabenstellungen und der Bürogröße gerecht werden, ist uns das gelungen, und eine kleine Zeit werde ich RKW ja noch als Gesellschafter begleiten.“ Die ihn kennen, wissen, dass Friedel Kellermann glaubhaft für gute Grundsätze steht: „Modern, klassisch, bescheiden.

So wurde es einmal in einem Artikel über mich geschrieben.“, sagt Kellermann, der trotz seiner Erfolge eher leise Töne wählt und übrigens auch keine laute Architektur bevorzugt: „Konstruktion und äußere Form sollten eine gelungene Symbiose bilden. Dabei galt für mich immer: Less is more.“