Mit viel Biss durchs Leben

Kreis Mettmann..  „Ich bin irgendwie anders“ – Dieser Gedanke begleitete Peter Schmidt im Kindergarten, in der Schule, im Studium und in seinem Liebesleben. Denn während die anderen Kinder draußen spielten, studierte Schmidt lieber die Rohrleitungen im Haus, an seinen Geburtstagen lud er keine anderen Partygäste ein und an Tanzabenden der Universität mied er allzu nahen Körperkontakt.

Erst im Alter von 41 Jahren entdeckt Schmidt den Grund für sein Verhalten: Er leidet an dem Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus. Seine Lebensgeschichte hielt der heute promovierte Familienvater und Ehemann in seinem Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“ fest. Einen Einblick daraus gab er jetzt bei einer Lesung im Kreishaus Mettmann. Der große Saal in dem Gebäude an der Düsseldorferstraße war bis auf den letzten Platz besetzt. Insgesamt 140 Erzieherinnen aus integrativen und heilpädagogischen Kindertagesstätten, Lehrer und Lehrerinnen aus Förderschulen für geistige Entwicklung, niedergelassene Heilpädagogen, Fachkräfte aus Therapiezentren für Autismus sowie betroffene Eltern aus dem Kreis Mettmann trafen sich, um Schmidt zu lauschen. Dieser erzählte nicht nur davon, dass er in der Schulzeit seine Mitschüler immer biss, weil man ihm als Kind sagte, man müsse sich durchbeißen, sondern auch von seiner großen Liebe Martina, seiner heutigen Ehefrau. Die Zahnarzthelferin „löste große Schwingungen aus“, wie es der heute 47-Jährige beschreibt. Doch bis es zur ersten Verabredung mit seiner Auserwählten kam, war es ein weiter Weg. Denn sich unterhalten oder gar flirten sind Fähigkeiten, die Schmidt im Gegensatz zu Geographie, Mathematik und Physik kaum beherrscht.

„Es fällt mir zudem schwer in die Augen anderer Leute zu blicken. Das ist für mich das gleiche schmerzhafte Gefühl, als würde ich in die Sonne schauen“, erklärt Schmidt. Glücklicherweise kam in solchen Situationen seine Vermieterin mit ihrer „ostpreußischen Flirtkunst“ zur Hilfe und verschaffte Schmidt so auch die Nummer der Angebeteten. Doch nicht nur die Liebe steht im Mittelpunkt von Schmidts Buch, sondern auch seine Krankheit und wie er sie im Alter von 41 Jahren entdeckte. „Ich schaute damals einen Krimi und die Hauptfigur, ein kleiner Junge namens Michael, litt an Autismus. Irgendwie erkannte ich mich in seinem Verhalten wieder“, erklärt Schmidt. Sein Verdacht wurde dann von Fachärzten bestätigt. „Es war ein Schock und eine Erleichterung zu gleich. Endlich wusste ich warum ich so anders war“, sagt der 47-Jährige. Mit viel Witz und Humor schildert Schmidt auf 224 Seiten seine Geschichte, die an dem Abend im Kreishaus für viele Lacher sorgt, jedoch an anderen Stellen durch tiefsinnige Gedankengänge auch den Ernst und das Schicksal der Krankheit widerspiegelt.

Das Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag. Ein Autist und die Liebe“ ist für 19,99 Euro im Patmos Verlag erhältlich.