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U-Bahn-Bau

Mit Fotoapparat von Grube zu Grube

01.02.2010 | 06:00 Uhr

Düsseldorf. Der Düsseldorfer U-Bahn-Skandal hat die Stadtspitze, die Politiker und die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen.Jetzt werden die drängendsten Fragen geklärt.

 Es besteht der Verdacht, dass mindestens zwei Poliere der Wehrhahnlinie Bauprotokolle fälschten, dass möglicherweise beim Bau der Schlitzwände, die die Baugruben sichern, gepfuscht wurde. Jetzt wird nach dem Ausmaß der mutmaßlichen Schlampereien geforscht, werden weitere Konsequenzen gezogen. Die wichtigsten Fragen:

Wie weit ist die Staatsanwaltschaft mit der Prüfung?

Ob und wann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, steht nicht fest. Die Vorermittlung konzentriert sich auf den Verdacht der Urkundenfälschung beziehungsweise Fälschungen technischer Aufzeichnungen. Bei einer Verurteilung drohen Geldstrafen oder bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug. Die Stadt stellte Strafanzeige gegen zwei suspendierte Poliere von Bilfinger Berger. Da wie hier auch in Köln Schlitzwand-Protokolle gefälscht wurden, arbeiten zwei Düsseldorfer Staatsanwälte mit den Kölner Kollegen zusammen. Was den Vorwurf der Baugefährdung betrifft, liegen „keine Anhaltspunkte” vor, so der Sprecher Christoph Kumpa. Von den Schlitzwänden geht derzeit keine Gefahr aus, weil der Bodenaushub noch nicht begonnen hat.

Am Kirchplatz und Graf-Adolf-Platz sind aber schon tiefe Erdlöcher zu sehen.

Hier handelt es sich nicht um den eigentlichen bis zu 30 Meter tiefen Aushub der Baugrube für die U-Bahnhof. Bevor die Baustelle gedeckelt wird, damit der Verkehr darüber rollen kann, wird bereits einige Meter darunter die Oberdecke für den U-Bahnhof gebaut.

Warum sind die Manipulationen auf den U-Bahn-Baustellen nicht früher aufgefallen?

Weil die Messdaten nicht näher untersucht wurden, sondern die Protokolle nur auf Plausibilität geprüft wurden. Konkret: Wenn der Baggerführer die Schlitzwände in den Boden einlässt, hängt ein kleines Messgerät dran, das die Daten direkt an einen Rechner im Bagger-Führerhaus weiterleitet. Denn die Schlitzwand muss senkrecht verlaufen. Die Abweichung darf nur ein Prozent, also bei 30 Meter höchstens 30 Zentimeter betragen. Der städtische und ein externer Inspekteur kontrollieren später das Protokoll, ob die eingetragenen Abweichungen im Toleranzbereich liegen. Absichtliche Fälschungen lassen sich so nicht feststellen -auch nicht bei den Protokollen für die Bewehrungskörbe.

Die Konsequenzen daraus?

Die Stadt hat die Bauüberwachung vor Ort verschärft. Jetzt werden die Schlitzwandarbeiten mit Fotoapparat oder Videokamera dokumentiert, um mögliche Manipulationen feststellen zu können. Außerdem werden die Werte der Messgeräte, die sogenannten Quelldaten, der Stadt zur Nachkontrolle und zur Beweissicherung übergeben. Ab sofort gibt es auch nur noch absolut „mängelfreie Abnahmeprotokolle”. Bisher war es üblich, Protokolle auch mit kleineren Mängeln abzuzeichnen - mit der Zusicherung der Baufirma, diese zu beheben. Ob dies wirklich geschah, wurde nicht mehr automatisch kontrolliert. Jetzt müssen vor jeder Bauabnahme auch kleinste Mängel beseitigt sein. Sonst gibt es keine Unterschrift.

Der Regierungspräsident hat der Stadt die technische Aufsicht für die Wehrhahnlinie entzogen. Was ändert sich damit konkret?

Vorab: Die Stadt hält an ihren eigenen Kontrollen - wie beschrieben - weiter fest. „Das ist eine Bauherren-Aufgabe. Das machen wir weiter ”, sagt Andrea Blome, Leiterin des städtischen Verkehrsmanagements. Zusätzlich übernimmt die Bezirksregierung als zuständige Behörde die „operative Bauaufsicht”, schickt also eigene Ingenieure auf die Baustellen der Wehrhahnlinie. Zu diesem Zweck stockt der Regierungspräsident die Zahl der Inspekteure der Technischen Aufsichtsbehörde von sechs auf acht auf.

Reicht die Kontrolle aus?

Es ist gerade auf Großbaustellen schwierig, kriminelle Machenschaften aufzudecken. Dazu bedarf es einer permanenten Überwachung. Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer Bau NRW fordert verstärkte Kontrollen durch Bauaufsicht und unabhängige Gutachter. Sein Leitsatz: „Die Arbeiter müssen wissen, dass sie kontrolliert werden.”

Was passiert nächste Woche?

Die von OB Dirk Elbers angeordnete Sonderuntersuchung geht weiter. Baudezernent Gregor Bonin wird den Bauausschuss am Dienstag (15 Uhr im Rathaus) über den Bauskandal informieren. Sobald es einen neuen Stand der Dinge gibt, wird sofort die Kleine Kommission der Wehrhahnlinie einberufen.

Michael Mücke

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