Millionen-Betrag aus der Firmenkasse veruntreut

Fast neun Jahre lang hat ein Mitarbeiter eines Versorgungswerks in einer Techniker-Kammer die Firmenkasse ungehindert angezapft und dabei mehr als 1,2 Millionen Euro erbeutet. Das gab der 38-jährige Familienvater gestern zu Beginn seines Prozesses beim Amtsgericht zu. Dort muss er sich wegen gewerbsmäßiger Untreue und Betruges in 37 Fällen verantworten. Da etliche frühere Taten bereits verjährt sind, geht die Anklage noch von einem Schaden von 620 000 Euro aus.

Als Motiv gab der Angeklagte an, er habe schon als Kind unter Minderwertigkeitskomplexen gelitten. Ein Urteil wird im Februar erwartet. „Ich weiß, ich wirke langweilig und konservativ.“ Mit tränenbelegter Stimme hat der 38-Jährige gestern vor Gericht das Dilemma seines Lebens skizziert: „Ich dachte immer, ich müsse etwas tun, damit Menschen bei mir bleiben.“

Und um seine Beliebtheit bei Freunden und Verwandten zu steigern, habe er rund 50 Personen über Jahre hinweg vorgegaukelt, er könne Elektro-Artikel zu Super-Schnäppchen-Preisen beschaffen. Heimlich habe er solche Bestellungen dann aber ganz regulär bei Elektromärkten eingekauft und bezahlt – und die Geräte dann für einen Bruchteil des wahren Preises abgegeben. Um sich das überhaupt leisten zu können, habe er durch heimliche Buchungstricks an seiner Arbeitsstelle Beträge von bis zu 34 000 Euro auf sein Konto abgezweigt, den Rest der Beute habe er für einen Hauskauf und Renovierungen ausgegeben.

Als Gruppenleiter der Abteilung Liegenschaften bei jenem Versorgungswerk genoss der Mann wohl jahrelang das blinde Vertrauen seiner Chefs. Bis er durch die windige Vermietung einer hauseigenen Immobilie im Medienhafen ins Zwielicht geriet, sich anschließend in Lügen verstrickte und vor die Tür gesetzt wurde.

Anstatt diesen Rausschmiss zu akzeptieren, war er dagegen jedoch noch vors Arbeitsgericht gezogen – und erst dort fiel auf, dass er schon seit 2004 erhebliche Gelder seines Arbeitgebers veruntreut hatte. Alle heimlichen Zugriffe auf die Kasse, die der Angeklagte sich zwischen 2004 und 2011 geleistet hat, sind inzwischen bereits verjährt.

Daher geht die Anklage jetzt nur noch von einer Tatzeit 2011 bis 2013 aus. Wie der bisher unbescholtene Angeklagte allein dafür zu bestrafen ist, soll am 19. Februar entschieden werden.