Messerattacke auf Wahrsagerin: Angeklagter schweigt

Hat Hellseherin „Esmeralda“ im Mai 2014 den Mordanschlag auf ihr Leben vorausgesehen? Das ließ die 68-Jährige gestern als Kronzeugin vorm Landgericht durchblicken. Sieben Monate nach der Messerattacke, der sie damals in ihrer Wohnung an der Jahnstraße fast erlegen wäre, begann der Prozess gegen einen 44-Jährigen aus Köln. Zur Anklage wegen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung sagte der Mann kein Wort.

Doch die Wahrsagerin ließ verlauten: Sie habe vor der Bluttat vom neuen Freund einer jungen Frau in den Karten gesehen: „Er will versuchen, eine Frau umzubringen. Da wusste ich aber nicht, dass ich das bin.“ Wie riskant Ratschläge in Liebesangelegenheiten sein können, hat „Esmeralda“ geahnt, es bis zur Bluttat aber nie selbst erfahren. Denn Beschwerden oder gar Geld-zurück-Forderungen von Kunden „gab es bei mir nie“, versicherte sie. Auch nicht von der jungen Vanessa, die sich nach der Trennung von ihrem Freund einem neuen Partner zugewandt hatte.

Von „Esmeralda“ und ihren Karten wollte Vanessa erfahren, ob sie diese Liebe eine Chance habe oder ob sie zum früheren Partner zurückkehren sollte. „Esmeralda“ sagte, sie habe der Frau keine konkrete Empfehlung gegeben. „Aber ich habe beim neuen Freund die Karte ,Gefängnis’ gesehen. Da wusste ich, er wird versuchen, eine Frau umzubringen“, so die Hellseherin.

Angeblich verließ Vanessa daraufhin den neuen Freund – und der soll dann die Wahrsagerin per Textnachricht bedroht haben: „Hör auf mit der Magie, ich mache dich fertig, du hast keine Zukunft mehr.“ Tage später habe er die 68-Jährige in ihrer Wohnung aufgesucht, ihr eine tiefe Schnittwunde quer über den Hals zugefügt, dazu Messerstiche in Brust, Bauch und Rücken.

Nur eine Not-OP konnte ihr das Leben retten. „Eine schwere Zeit mit vielen Schmerzen“, schluchzte sie gestern unter Tränen. Seit dem Mordanschlag könne sie ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Der Angeklagte verfolgte alles ohne sichtbare Regung. Sein Anwalt hatte beantragt, das Verfahren einzustellen, weil vor dem Prozess vielfach das Opfer zitiert worden sei mit Prognosen, wonach der Täter erschossen werde, auf der Flucht sterben würde oder seine gerechte Strafe erhalten werde. Folglich könne der 44-Jährige, so sein Anwalt, kaum „mit einem fairen Verfahren rechnen“. Das sahen die Richter anders. Sie setzen den Prozess am Montag fort.