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Meine Couch, deine Couch

12.02.2010 | 17:32 Uhr
Meine Couch, deine Couch

Düsseldorf. Kostenlos auf der ganzen Welt bei völlig fremden Menschen übernachten. Und dazu noch Stadtführung und Ausgehtipps von Insidern erhalten? Das Internetportal Couchsurfing macht das möglich. In Düsseldorf sind 843 Reisebegeisterte angemeldet.

In einem Internetprofil stellen sie sich vor, schreiben über Reiseerfahrungen, ihre Lebensphilosophie, Hobbys und die Stadt, in der sie wohnen.

Der Gast muss mit Noten im Netz rechnen

Den Mitgliedern steht es frei, ob sie einen Gast bei sich zu Hause aufnehmen oder ob sie sich nur auf einen Kaffee treffen wollen. Ein Kontakt entsteht über eine Online-Anfrage. Wenn der Gast wieder weg ist, bewertet er seinen Aufenthalt. Das ist ähnlich wie bei Ebay für alle anderen User einsehbar.

...und plötzlich gab es Freunde in Mexiko

„Ein Leben ohne Couchsurfing kann ich mir nicht mehr vorstellen”, lacht Anja Kühner. Die 42-Jährige hat ein Profil unter dem Namen „Düsseldorf”. Seit 2007 beherbergte sie mehr als 60 Gäste in Pempelfort. Aber dafür hat sie auch zahlreiche Couchsurfer in anderen Ländern besucht. Die Liste ihrer Reiseziele reicht über die ganze Welt. Von Argentinien über Australien, Ungarn, Russland, Amerika, Vietnam und Finnland, hat sie schon jeden Kontinent kennen gelernt. Auf Hotels verzichtet sie gerne: „Mir geht es darum andere Menschen und ihre Kultur kennen zu lernen”, und das gehe am besten über Couchsurfing. Denn die Leute leben in der Stadt, kennen sich aus und geben Geheimtipps über das beste Restaurant oder die skurrilste Party preis. An ein Erlebnis kann sie sich noch besonders erinnern: „Zur Weinmesse habe ich mich mit einer Gruppe von Italienern getroffen und sie durch die Altstadt geführt.” Monate später tuckerte sie mit den „neu gewonnenen Freunden” auf einem Boot durch Mexiko.

Schlechte Erfahrung gebe es selten. „Manche Männer sehen Freundlichkeit als eine Anmache, aber ein klares Nein reicht meist aus”, sagt die Globetrotterin. Das kann Julischka Kiss, wie sie sich im Couchsurfing nennt, nur bestätigen: „In Moskau habe ich fünf Tage auf einer Tür, die auf zwei Stühlen lag, geschlafen.”

Eine Badewanne mitten im Kaminzimmer

Und in Ungarn in einem Giebel eines ausgebauten Pferdestalls: „Da stand eine Badewanne mitten im Zimmer vor einem Kamin, und der Gastgeber hat mir selbst angebauten Wein gebracht.” Angst habe sie nie gehabt, auch nicht, wenn sie bei Männern übernachtet. „Couchsurfing ist sicherer als die Mitfahrzentrale, weil ich mir vorher das Profil mit Foto eines Gastes genau anschauen kann”, erklärt Anja Kühner. Außerdem gebe es noch die Bewertungen, die durchaus von positiv über neutral bis hin zu negativ reichen. „Dort kann man ganz öffentlich schreiben, was schief gelaufen ist”, ergänzt Kiss.

Mario Troups hat sich viel vorgenommen: „Im Sommer hat sich eine Gruppe von 35 Personen bei mir gemeldet. Das wäre ganz schön eng in meinen 60 Quadratmetern geworden.” Zum Glück haben Freunde ihm ihr Pfadfinderheim angeboten. „Durch Couchsurfing habe ich nicht mehr das Gefühl, dass ich irgendwo fremd bin, denn meine Gastgeber sehe ich direkt als Freunde an”, versichert Troups, der im Portal „laurocraft” heißt.

„Auf normalen Reisen sieht man alles nur von außen, bei Couchsurfing kannst du die Häuser und Wohnung von den Menschen, die dort leben, von innen ansehen”, sagt Wilhelm Frömgen (wfroemgen), der besonders gerne durch Schottland reist. „Ich stehe auf die schottische Folk-Musik, und eines Tages habe ich durch Couchsurfing zufällig einen Cousin von meinem Lieblingssänger Tommy Sans kennen gelernt. „Außerdem kann ich nun vegan kochen”, strahlt Frömgen, denn sein Gastgeber lebt gesund.

Wenn der Vater mit drei Töchtern reist

Als tolerante, weltoffene und solidarische Menschen bezeichnet Johann Braun die Couchsurfer. Er und seine drei Töchter, 16, 14 und 7 Jahre, sind alle beim Portal angemeldet. Couchsurfing bedeute Bildung in Sprache, Kultur und Lebenserfahrung. Der Betonprüfer reiste nach Paris, Riga und Amsterdam. Außerdem organisierte der 41 Jährige Russland-Deutsche für eine technisch begeisterte Frau, die ihn und seine Familie besuchte, eine LKW-Fahrt durch russische Dörfer.

Julia Killet

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