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Spitzengastronomie

Mehr Frauen an den Sterne-Herd?!

30.12.2011 | 14:19 Uhr
Mehr Frauen an den Sterne-Herd?!

Düsseldorf.Das Kochen für die Familie ist traditionell Frauensache. Doch wenn sich am Herd Sterne verdienen lassen, sind Männer ganz vorn: 249 Restaurants in Deutschland tragen derzeit mindestens einen begehrten Stern des renommierten Restaurantführers Guide Michelin, nur in fünf davon sind Frauen Küchenchefs.

Sind Männer doch die besseren Köche? Oder einfach ehrgeiziger? Warum fühlt sich Otto Normalo mit Küchenschürze unmännlich, Otto Sternekoch wird dagegen verehrt? Die NRZ hat sich bei Sterneköchen in Düsseldorf umgehört.

Die überraschendste Erklärung hat Jean-Claude Bourgueil vom „Schiffchen“ (zwei Sterne): „Wir sind schwächer als die Frauen“, ist seine erste Antwort. Frauen müssten „die Brut übern Berg bringen“. Also seien sie kräftiger und lebten länger. Männer dagegen seien anfälliger und eben sensibler. „Das ist ja auch in der Musik, der Malerei und in der Literatur so.“

Doch beim Blick auf sein Team stellt er fest: „Mir gefallen die Frauen viel besser. Sie sind zielstrebiger, fleißiger und ordentlicher. Es ist einfach angenehmer, mit ihnen zu arbeiten.“

Gute Produkte

Auch seine Vorbilder sind Frauen: Bei seiner Mutter und Großmutter hat er sich viel abgeguckt. „Das war alles noch echt bio und schmeckte so gut!“, schwärmt er. Deshalb stehe für heute noch das gute Produkt im Vordergrund. Überhaupt seien die Frauen, die für ihre Familien kochten, die besten Köchinnen – weil sie „mit Herz“ kochen.

Gute Technik jedenfalls reicht ihm nicht: „Ein guter Koch ist ein perfekter Handwerker und braucht Geist.“ Seine Empfehlung für Kochmuffel (männlich wie weiblich): Käse, Brot und Wein von bester Qualität, zum Schluss eine Praline.

Holger Berens vom „Berens am Kai“ (ein Stern) fallen eher praktische Argumente dazu ein, warum er so wenig Kolleginnen hat: „Unser Job verlangt körperlich sehr viel, man muss viele Stunden in der Küche stehen. Es ist auch sehr hierarchisch, fast schon militärisch.“

Und dann die Arbeitszeiten: „Man fängt morgens an, macht Pause von 15.30 bis 17 Uhr, dann geht es weiter bis 24 Uhr. Da bleibt keine Zeit fürs Privatleben.“ Die Familiengründung sei wohl der Grund dafür, dass viele der jungen Köchinnen verschwinden, mit denen er die Ausbildung gemacht hat.

Ähnliche Gründe vermutet auch Daniel Dan-Ben vom „Tafelspitz“ (ein Stern): „Das hat mit den Arbeitszeiten und dem Stress zu tun.“ 16-Stunden-Tage, die Hitze und die nötige Konzentration seien wohl zu anstrengend für Frauen. Und nur schwer mit einem Familienleben zu verbinden. Auch er sieht seinen Sohn nur zwei Mal in der Woche.

Zuhause lässt er sich auch mal von seiner Frau bekochen: „Ich freue mich auch, wenn ich an freien Tagen ein warmes Essen auf den Tisch bekomme, klar.“ Das darf dann auch gute Hausmannskost wie Königsberger Klopse oder ein Schnitzel sein.

Sie hat keinen Stern, aber Einblick ins Thema Männer und Frauen am Herd: Köchin Maria Deelmann schaut in ihrer Kochschule Kochinteressierten regelmäßig in den Topf. Sie hält die Argumente von der Schwere der Arbeit und dem rauen Umgangston für überholt: „In guten Restaurants wird nicht mehr gebrüllt. Und man kocht auch nicht mehr in Riesentöpfen, sondern bereitet jede Portion einzeln auf den Punkt zu.“ Die Spitzengastronomie sei „einfach eine Männerdomäne“.

Sie sieht ebenfalls das Problem der langen Arbeitszeiten. Auch viele männlichen Kollegen fehle das Privatleben. Am besten sei es, wenn die Partner zusammen ein Restaurant führen, so Beruf und Familie verbinden können.

Fetter und süßer

In ihren Kochkursen glaubt sie übrigens Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen: „Männer gehen spielerisch ans Kochen heran, sie wollen experimentieren. Frauen nehmen das ernster, machen sich Gedanken über die Gesundheit. Einfach ausgedrückt: Männer kochen fetter und süßer.“

Warum Männer so selten im Alltag am Herd stehen? „Das ist ihnen wohl zu profan. Die wollen die große Show, sie müssen die Messer wetzen und die Küche als Saustall zurücklassen“, vermutet sie. Relativiert aber gleich: Heute könnten junge Männer auch ganz ohne Show gut kochen.

Keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern sieht Peter Nöthel vom „Hummer-Stübchen“ (ein Stern). Frauen seien genauso feinfühlig wie Männer. „Ich würde mir mehr Frauen in dem Beruf wünschen.“ Wie Maria Deelmann sieht er in modernen Küchen keine harte körperliche Arbeit, die Frauen nicht schaffen könnten.

Nur die Arbeitszeiten seien eben schwer mit dem Familienleben zu verbinden. Er hat sich früh selbstständig gemacht, damit Freiheit gewonnen: Weil die Familie neben dem Restaurant wohnt, kann er seine Kinder häufig sehen.

Er weiß, dass ein Mann mit Kochen bei Frauen punkten kann: „Man verbindet das mit Sinnlichkeit. Früher ging das mit Klavierspielen, heute mit Kochen.“ Sein Tipp für Männer: Ein Nudelgericht, zum Beispiel mit Garnelen und Pesto. „Das mag jede Frau.“

Katharina Rüth

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