Mehr als nur ein Kennenlernen

Für viele Grundschüler beginnt die Zeit an der weiterführenden Schule mit einem harten Schnitt: Sie müssen sich meist ohne die vertrauten Klassenkameraden in einem riesigen unbekannten Gebäude zurechtfinden und sind mit neuen Fächern und Ansprüchen konfrontiert. Zwar gibt es an zahlreichen weiterführenden Schulen einen Kennenlern-Tag, aber sehr weit reicht dieses Kennenlernen nicht.

Ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt hat sich nun zur Aufgabe gemacht, diesen Übergang für Schüler zu erleichtern. „Wir möchten den starken Bruch zwischen Grundschule und weiterführender Schule abmildern“, sagt Davorka Bukovcan, Hauptabteilungsleiterin bei der Awo. Der Wohlfahrtsverein ist an 20 Schulen Träger für die Offene Ganztagsschule und an 26 für die Schulsozialarbeit. Bukovcan brachte für das Projekt auch die Dieter-Forte-Gesamtschule und die Grundschule Richardstraße aus Eller zusammen. Gemeinsam überlegte man, welche Maßnahmen sinnvoll sind.

„An der Richardstraße lernen die Schüler ein Instrument. Aber der Unterricht hörte nach der Grundschulzeit dann meist auf“, sagt Michael Biallas, stellvertretender Leiter der Dieter-Forte-Gesamtschule. Damit die Fähigkeiten der Schüler erhalten und ausgebaut werden, können sie nun mit ihren bekannten Instrumentenlehrern auf der Gesamtschule den Musikunterricht fortführen.

Diese Form der Zusammenarbeit sieht Grundschulleiterin Friedegard Schulz als großen Gewinn. „Ich finde es toll, dass eine weiterführende Schule auf uns zugeht und sich dafür interessiert, wie wir hier arbeiten.“ Beispielsweise gibt es an der Richardstraße einige Besonderheiten, die sich bewährt haben: Die Kinder lernen in altersgemischten Klassen und zum Teil nach Wochenplänen.

Für Lehrer der weiterführenden Schule ist dies eine Ressource, an die sie anknüpfen können – wenn sie darüber Bescheid wissen. Dass in den altersgemischten Klassen Kleine von den Großen lernen, wiederholt sich nun im Austausch mit den Gesamtschülern. Das schafft Sicherheit für Viertklässler, die anschließend auf die Dieter-Forte-Gesamtschule gehen.

Für diesen Austausch im Einsatz ist beispielsweise Gerrit Pesch, der die achte Klasse in der Dieter-Forte-Gesamtschule besucht. Einmal in der Woche geht er mit einigen Mitschülern in die Grundschule an der Richardstraße. „Ich bin dort kein Ersatzlehrer, ich baue zu ihnen eine Verbindung auf, gebe Tipps und mache Spiele“, sagt Gerrit. Zur Vorbereitung hat er einen Workshop besucht und dort auch einen Film gedreht. „Eine tolle Erfahrung“, sagt er. Die Grundschüler wiederum freuen sich, mit „den Großen“ auf vertrautem Fuß zu sein und an ihren Erfahrungen an der Dieter-Forte-Gesamtschule teilhaben zu können.

Die Awo plant, weitere Schulen in das Projekt miteinzubeziehen. Das Gymnasium Koblenzer Straße in Garath ist ebenfalls mit der Dieter-Forte-Schule im Gespräch.