Medizin, dicker als Wasser

Blut kann man nicht in der Apotheke kaufen. Es ist es eine kostbare Ressource, oft lebensrettend für Unfallopfer und bei ausgedehnten Operationen, notwendig für Bluter sowie Kinder und Erwachsene mit bösartigen Blut- oder Tumorerkrankungen, die aus medizinischen, demographischen und ökonomischen Gründen sparsam eingesetzt werden muss.

Dabei helfen soll ein Projekt unter dem Namen „Subito“. Diese Initiative des Instituts für Hämaostaseologie, Hämotherapie und Transfusionsmedizin, also Medizin rund um den roten Lebenssaft, sowie des Universitätsklinikums Düsseldorf soll dazu beitragen, Blutprodukte zu sparen. Dr. Stephan Sixt, Dr. Till Hoffmann und Dr. Alexander Albert entwickelten eine Strategie für die sogenannte Hämotherapie, bei der einzelne Komponenten des Blutes abgestimmt auf den Bedarf des einzelnen Patienten gegeben werden können. Bei einem Pilotprojekt lagen die Einsparungen lagen je nach Komponente zwischen 30 und 60 Prozent. Dies bedeutet eine Einsparung von Blutkonserven von etwa 5000 Stück pro Jahr allein am Uniklinikum.

Vereinfacht ausgedrückt werden bei Transfusionsbedarf nicht mehr notwendigerweise alle Komponenten des Blutes transfundiert, sondern nur die, die der einzelne Patient benötigt. Was sich logisch anhört, ist leichter gesagt als getan.

Voraussetzung ist nämlich, dass der aktuelle Zustand des gesamten Gerinnungssystems eines Patienten analysiert wird – und zwar in kürzester Zeit, da es in der konkreten Situation oft um Leben und Tod geht. Mit Subito haben die Mediziner dieses Problem in Angriff genommen, indem sie einmal eine vorrangige und schnelle Labordiagnostik einführten, die „subito“, also latein für sofort, den spezifischen Bedarf ermittelt und die benötigten Blutkomponenten in den OP liefert. Ein weiterer Schritt ist, dass schon vor der Operation Risiken eines Patienten im Hinblick auf eine Bluttransfusion erfasst und minimiert werden, so dass Blutungen während des Eingriffs verringert oder sogar verhindert werden können. Vorrangiges Ziel ist aber nicht Geld zu sparen, auch wenn es um eine respektable Größenordnung geht: Pro Jahr hält das Institut für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf zur Behandlung transfusionspflichtiger Patienten bis zu 60 000 Blutkomponentenkonserven bereit.

Vor allem aus medizinischer Sicht profitieren Patienten von weniger Transfusionen. Bluttransfusionen beeinflussen, so weiß man inzwischen, das Immunsystem. Man kennt zwar die Gründe noch nicht genau, aber man nimmt an, dass sie die „Wachsamkeit“ des Immunsystems herabsetzen. „Möglicherweise“, sagt Transfusionsmediziner Dr. Till Hoffmann, „geschieht das durch die Menge an „Fremdeiweißen“, die den Organismus bei einer Transfusion überschwemmen.“ Dadurch kann der Patient leichter von Infektionen betroffen sein. Auch weitere Gründe sprechen für weniger Transfusionen: „Bei Herzoperationen mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine kann allein das große Flüssigkeitsvolumen durch die Blutzufuhr eine Belastung für das Herz sein“, erläutert Dr. Stephan Sixt. Die Düsseldorfer Mediziner glauben zudem, dass viele der Subito-Patienten sich nach der Operation schneller erholen. „Das bleibt aber wissenschaftlich noch zu belegen “, sagen sie deutlich.

Ein weiterer Grund spricht dafür, Konzepte für den sparsamen Einsatz von Blutprodukten zu entwickeln. Der demographische Wandel einer älter werdenden Gesellschaft bringt steigenden Bedarf, aber sinkende Spenderzahlen mit sich, da Blutspenden nur bis zu einer gewissen Altersgrenze möglich sind. Ein Prozess, der in Deutschland in einigen Bundesländern bereits beobachtet werden kann.

Viele Gründe sprechen also für die Fortführung des Projektes und weitere Erforschung auch im Hinblick auf mittel- und langfristige Ergebnisse. Es geht den Düsseldorfer Ärzten darum, zu viele Bluttransfusionen zu vermeiden. „Dass Blut in vielen Situationen Leben rettet“, so Stephan Sixt, „steht außer Frage. Uns geht es darum, den Einsatz für unsere Patienten in der Uniklinik zu optimieren.“