Martina Gedeck als Clara Schumann
05.10.2010 | 12:20 Uhr 2010-10-05T12:20:00+0200
Düsseldorf.Ein ausgezeichnetes Doppel-Spiel: Die Schauspieler Martina Gedeck und Sebastian Koch lasen beim literarisch-musikalische Abend „Szenen einer Ehe“ im Opernhaus in Düsseldorf aus dem Tagebuch von Clara und Robert Schumann.
Sie waren das Traumpaar des 19. Jahrhunderts, Clara und Robert Schumann. Beide komponierten und spielten Klavier, nur zeigte sich Claras Begabung mehr als Pianistin und Roberts Genie brach sich über dem Notenpapier Bahn. Man verkehrte in illustren Kreisen, etwa bei den großbürgerlichen Mendelssohns, hatte den weltgrößten Tasten-Star Franz Liszt zu Gast und durfte die ersten Geniestreiche des jungen Johannes Brahms privat im Düsseldorfer Heim an der Bilker Straße kennenlernen.Anlässlich des 200. Geburtstags von Robert Schumann rezitierten die Schauspieler Martina Gedeck und Sebastian Koch aus den Aufzeichnungen des Paares.
Figuren nuancenreiches Leben eingehaucht
„Szenen einer Ehe“ hieß der literarisch-musikalische Abend. Und obwohl Gedeck in sandfarben changierender Samtrobe und Koch in weißem Hemd und schwarzer Jacke lediglich an kleinen urigen Schreibtischen saßen (mit Karaffe und Schreibfeder), um chronologisch die Eintragungen zu rezitieren, erwies sich der Abend als spannende Unterhaltung. So unmittelbar, so plastisch wirkte die allein mit der Stimme entfaltete Emotionalität, als würden die Gedanken der beiden gerade fließen. Weit entfernt von einer Vorlesung, hauchten Gedeck und Koch den Figuren Clara und Robert nuancenreiches Leben ein, entfaltete sich die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts im Raum.
Freilich kommt das romantische Ehe-Ideal, das das junge Paar zu Papier brachte, aus heutiger Sicht ziemlich unemanzipiert daher. Doch zeugt es andererseits von einer gewissen Fortschrittlichkeit, dass sie ein solches gemeinsames Tagebuch überhaupt führten, um in schriftlicher Form ihre Freuden und Nöte einander anzuvertrauen.
Amüsiertes Raunen
Nachdem den Beiden im Anschluss an eine europaweite Konzertreise Leipzig zu eng und spießbürgerlich wurde, zogen sie nach Düsseldorf. Als Martina Gedeck entsprechende Eintragung Claras rezitierte, ging ein leicht ungläubig amüsiertes Raunen durch den Saal. Und schließlich weiß man ja auch, dass Düsseldorf die Stadt ist, in der sich Schumann in den Rhein stürzte. Die Düsseldorfer Zeit sollte ja auch die schwierigste für die Schumanns werden. Roberts Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Zu den Lichtblicken gehört der Brahms-Besuch über den Clara pathetisch schrieb: „Hier kommt einer, als sei er von Gott gesandt.“
Neben den lebendigen Rezitationen gab es auch viele musikalische Kostproben. Natalie Karl (Sopran), Paul Armin Edelmann (Bariton), Rebekka Hartmann (Violine) und Stephan Matthias Lademann (Klavier) interpretierten Lieder und Kammermusik von Clara und Robert Schumann sowie Johannes Brahms. Dass vor allem Lieder aus dem von Clara und Robert gemeinsam komponierten „Liebesfrühling“ op. 37 zu Gehör kamen, passte zwar perfekt zum Thema, gab aber einer der unoriginellsten und schwächsten Schumann-Kompositionen allzu viel Raum.
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