Mahn- und Gedenkstätte wieder offen

Altstadt..  Nach mehr als vier Jahren feiert die Mahn- und Gedenkstätte in dieser Woche ihre Wiedereröffnung – und ist kaum wiederzuerkennen. Die Räume im historischen Stadthaus an der Mühlenstraße wurden komplett saniert und vom düsteren 1980er-Jahre-Flair befreit, die Besucher laufen nun durch helle, große Säle. Außerdem hat das städtische Museum zur NS-Zeit nun mehr Platz zur Verfügung. Die neue Dauerausstellung ist auf aktuellem wissenschaftlichen Stand und auch didaktisch entstaubt: Es gibt Audio- und Video-Stationen und klapp- und schiebbare Schautafeln.

Die neue Dauerausstellung widmet sich dem Thema „Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus“ – als einzige Dauerausstellung in Deutschland und dem angrenzenden Ausland neben dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam. An ausgewählten Biografien zeichnet die Schau nach, was Düsseldorfer Kinder und Jugendliche in der NS-Zeit erlebt haben und wie sie gehandelt haben. Neben Porträts von Angehörigen der Opfergruppen – Juden, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zwangsarbeiter sowie Sinti und Roma – gibt es auch solche von Kindern und Jugendlichen aus der damaligen Mehrheitsgesellschaft, es geht etwa um Hitler-Jugend und Kriegserfahrungen.

Der Fokus auf die Kindheit soll nicht nur helfen, Schulklassen einen leichten Zugang zur Geschichte zu ermöglichen. Das Universalthema Jugend, so die Überlegung der Ausstellungsmacher, bewegt auch erwachsene Besucher. Die Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte um Leiter Bastian Fleermann wurden bei der Konzeption von einem zwölfköpfigen wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Die Ausstellung ist für Besucher kostenlos zugänglich, auch Führungen lassen sich ohne Entgelt in Anspruch nehmen.

Architektonischer Höhepunkt ist der Innenhof des historischen Gebäudes, das sich die Gedenkstätte mit dem Luxushotel Medici teilt. Ein modernes „Forum“ aus Betonwänden wurde integriert. Dort widmet sich die Ausstellung der Nach- und Wirkungsgeschichte der NS-Zeit. Die Neugestaltung hat insgesamt 3,1 Millionen Euro gekostet.

Bevor die Öffentlichkeit das neugestaltete Museum am Samstag erstmals kennenlernen kann, gibt es am Donnerstag die offizielle Eröffnung mit einem Festakt. Erwartet werden auch Nachkommen der Kinder und Jugendlichen, die in der Ausstellung porträtiert werden – und ein Überlebender, dessen Schicksal im Museum aufgearbeitet wird. Tom Katz (85) floh 1938 als Achtjähriger aus Düsseldorf. Er wird auch am Samstag über sein Leben berichten.

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