Mahlers Fünfte so dramatisch wie selten

Die Symphoniker zeigen sich in letzter Zeit von ihrer besten Seite. Gerade kehrten sie von einer mehr als nur erfolgreichen Japan-Tournee zurück, da versetzen sie erneut – beim elften Symphoniekonzert („Sternzeichen“) – Abonnenten in Staunen und entlocken geradezu euphorische Ovationen. Eher die Ausnahme bei den Abo-Konzerten. Unter der Leitung von Pultstar Eliahu Inbal spielen sie Mahlers Fünfte und seine „Lieder eines fahrenden Gesellen“ so sauber, ruhig und gleichzeitig zündend dramatisch wie nur selten. Doch nicht nur die drei Termine in der Tonhalle haben sie zu absolvieren, sondern machten Samstag mal kurz einen Abstecher nach Rotterdam, ins Konzerthaus De Doelen.

Kein Wackeln, keine Unsicherheit

Mit Ovationen gefeiert wurden allen voran die Blechbläser, die besonders in den letzten drei Sätzen von Mahlers fünfter Symphonie (1904 in Köln uraufgeführt) extrem gefordert werden und mit einem durchgängig brillanten Klang überzeugen. Zuverlässige Größen sind der neue erste Trompeter Bassam Mussad (syrisch-amerikanischer Herkunft), genauso wie der erste Posaunist Martin Hofmeyer und Uwe Schrumpf, der in seinen Horn-Soli nuancenreich und lupenrein intonierte.

In den ausladenden wie in den leisen Passagen. Kein Wackeln, keine Unsicherheiten. Man hatte das Gefühl, dass der gesamte Bläser-Apparat ähnlich wie die große Streicher-Gruppe ihre Qualitäten dem 79-jährigen Meister Inbal beweisen wollten. Nachdrücklich, aber locker führt Inbal, weltweit wegen seiner legendären Mahler-Aufnahmen gerühmt, durch die Kolossal-Partitur. Als herausragende Musikerpersönlichkeit zeigt er sich nicht nur in dem komplexen dritten Satz, dessen Ausbrüche und lyrischen Stellen die Symphoniker auf den Punkt bringen, sondern auch in dem Adagietto – in fast aller Ohren durch die Visconti-Verfilmung von „Tod in Venedig“. Romantisch leidenschaftlich lässt Inbal die Streicher und Harfe fließen, verzichtet auf klebrige Süße oder Sentimentalität.

Dass Altmeister nicht in klischierten Mustern stehen bleiben, sondern romantisch und gleichzeitig modern musizieren können, demonstriert Inbal mit Mahlers volkstümlichem Lieder-Zyklus vom ‚fahrenden Gesellen’. Das Orchester findet langsam zum harmonischen Fluss und lässt der Sängerin genügend Raum. Iris Vermillion mit ihrem warmen, dunklen Mezzosopran passt exzellent zum Orchestersound und ist eine Erzählerin von Format. Mit melancholischem Schmelz beschwört sie „Wenn mein Schatz Hochzeit macht“ oder „Die zwei blauen Augen…“. Wenn in den hohen Tönen auch a bissel eng und blass, so betört sie im dem aufbrausenden „Ich hab ein glühend Messer“ mit packender Dramatik. Bravorufe auch für sie.