Luft anhalten, Bauch einziehen: passt!

Golzheim..  Es ist ein besonderer Düsseldorfer Tag, der Höhepunkt der Ballsaison. Die Damen tragen, wenn Geld und Kaufglück (man muss ja erst mal was finden!) reichten, ein neues Kleid. Die Herren greifen um 17.30 Uhr nach ganz hinten im Schrank. Da oder irgendwo am Rand hängt er, der Smoking (Frack oder Uniform gehen auch). Bange Frage: Passt er noch? Luft einhalten, Bauch einziehen, nichts reißt: Uff, geht doch!

„Guck mal, was ich noch in meinen Klamotten hab“, sagt Dieter Schneider-Bichel, Sprecher des Oberbürgermeisters , und fischt aus der Innentasche eine seine Visitenkarten aus der Zeit heraus, als er Lokalchef der NRZ war. Ist ein paar Jährchen her.

Die Smokings sind die Widergänger an diesem Abend. Sie tragen die Männer in den Rheinlandsaal des Hilton zum Prinzenball. Und da wird der Stoff wieder geschmeidig, dass er nicht leidet, wenn es für ein Jahr zum Abhängen in den Schrank geht. Denn Prinzenball ist Lackschuhkarneval, was wirklich bei manchem Lackschuh bedeutet. Steif oder langweilig ist diese Veranstaltung kein bisschen.

Schlossmotive als Saal-Dekoration

Denn statt eines Programms mit halbseidenen Büttenreden bietet der prachtvoll mit Schlossmotiven dekorierte Saal vor allem eines: viel Zeit und Platz für „tänzerische Leibesübungen“, wie Jobsi Driessen in seiner saloppen Art sagt. Da machen alle mit, was auch alternativlos ist, so laut ist die Musik. Wer sich unterhalten will, geht besser ins Foyer.

Der Präsident des Prinzenclubs ist ein Glücksfall für den Karneval. Immer locker drauf, scheucht Driessen den Saal durch die Tombola, wo Gewinner zack-zack zur Abholung ihres Preises anzutreten haben. Tickets nach New York oder Südafrika oder für das DFB-Pokalfinale wechseln die Besitzer, Percy Müller hat eine Pelzstola übrig, und weil die Dreierpacks an Helau-Rufen früh an diesem Abend beim Einzug des Prinzenpaares abgearbeitet wurden, kann schnell getanzt werden.

Am Anfang viel klassisch von Foxtrott bis Rumba, dann Freistil. Denn wir alle waren noch niemals in New York und feiern auch „Tage wie diese“. Als die Hermes House Band die schlimmsten Gassenhauer der letzten 20 Jahre („Life is life“) intoniert, ist die Stimmung, klar, die beste überhaupt. Und Jobsi ist froh, weil alle gut drauf sind. Übrigens: Musikalisch am überzeugendsten ist die Band „Heavens Club“, die die „Top acts“ des Abends umrahmt - wo in erster Linie Loona zu nennen ist. Eine blondgelockte Jane, die bis an ihr Lebensende „Bailando“ und „Hijo de la Luna“ singen muss und alles gibt, um auf der Bühne ihren Latino-Tarzan herbeizutanzen.

Die Düsseldorfer Gesellschaft feiert in Schwarz, Seide und Spitze, vor allem aber zwanglos. Am Tisch des Präsidenten sitzt Dirk Elbers wie eh und je, der neue OB Thomas Geisel lässt sich entschuldigen, seine Schwester wird 50.

Dafür ist Bürgermeister Friedrich Conzen da, RP-Chefredakteur Michael Bröcker übt mit Achim Hunold (Air Berlin) das Helau, Hille und Angela Erwin feiern mit, ebenso Polizeipräsident Norbert Wesseler und Klaus-Peter Müller, Chefaufseher der Commerzbank. Weit nach Mitternacht heißt es Tschüss sagen. Auf Wiedersehen in einem Jahr, Smoking!