Lokalverbot vor dem Kadi

Einst waren sie Freunde, spielten als Hobby-Fußballer im selben Team. Doch von der Freundschaft eines Kaufmanns (52) mit einem Altstadt-Wirt von der Ratinger Straße ist nichts geblieben. Im Gegenteil: Gestern brachte eine Anzeige des Gastwirts den früheren Mitspieler wegen Hausfriedensbruchs sogar auf die Anklagebank des Amtsgerichts. Ein Urteil in diesem kuriosen Fall steht aber noch aus. 1200 Euro Strafe sollte der Kaufmann zahlen, weil er im Mai 2014 ein Hausverbot missachtet habe, indem er sich auf der Terrasse des Altstadtlokals auf einen Stuhl gesetzt hatte. Der 52-Jährige protestierte gegen die Strafe: „Ich wohne doch in dem Haus, komme gar nicht anders zur Haustür, als an der Terrasse des Erdgeschosslokals vorbei zu gehen!“ Doch nach Jahren voller Freundschaft sei das Tuch zwischen ihm und dem Lokalbetreiber längst zerschnitten. Der Wirt zeigte den Nachbarn sogar an, weil der Anwohner von der Hintertür der Lokalküche angeblich einen Eimer Paniermehl mitgehen ließ. Und wegen eines Hausverbots, was er einst gegen den Angeklagten verhängt hatte, war es einmal gar zur Prügelei der beiden Männer gekommen. Bei derart verhärteten Fronten lehnte der Kaufmann gestern den Richtervorschlag ab, das Verfahren wegen Hausfriedensbruch einzustellen – als Geringfügigkeit und ohne jede Auflage. Denn jetzt pocht der Angeklagte auf einen Freispruch. Er habe den Lokal-Stuhl damals ja nur kurz besetzt, als er auf dem Weg zu seiner Haustür von Bekannten in ein Gespräch verwickelt worden sei. Statt darüber hinweg zu sehen, habe der Wirt auf diese Chance offenbar gewartet, um den missliebigen Anwohner als Kriminellen hinzustellen. Das solle der Gastwirt demnächst mal als Zeuge öffentlich erklären. Einen Termin für die Neuauflage des Prozesses gibt es noch nicht.