Logenplatz beim Rosenmontagszug

Monheim..  Michael Neuenfeld hat dank Grundbucheintrag einen Logenplatz – zumindest an Rosenmontag, denn sein Grundstück liegt an der Schwalbenstraße, genau da, wo sich der Zoch in Bewegung setzt. Seine vier Kinder müssen zum Kamelle sammeln nicht mal den Garten verlassen, die kommen einfach über den akuraten weißen Zaun geflogen. Im Vorgarten steht eine Parkbank, aus großen Boxen dröhnt Karnevalsmusik, die Hausherrin reicht Mini-Pizzen. „Wir haben alle Verwandten und Freunde eingeladen vorbeizukommen“, sagt der als Wikinger verkleidete Hausherr, während auf der Straße die Jecken Engelche als „Odins Töchter“ in ihren Miniaturwikingerschiffen vorbeischaukeln – die rot-weiß-gestreiften Segel im Wind gebläht, das kupferrote Langhaar in der Sonne glänzend. Das Thema Wikinger haben ihre Männer, die Christboomschmücker, vorgegeben, wobei sie mottomäßig bewusst gegen den Wind segelten.

Überhaupt sind viele Karnevals-Vereine in Hinblick auf das Gromoka-Jubiläums-Motto im wahrsten Sinne untergetaucht. So ziehen es die Klüngelköpp vor, „schadendes Geschwätz“ dadurch zu umgehen, indem sie „stumm blieve wie ne Kugelfisch“. Mit knalligen Farben und Hula Hoop-Reifen zur Verstärkung und viel Watte für das Volumen ist die Fußgruppe als Fischschwarm unterwegs. Treuherzig blicken die Fische aus kugelrunden Augen und schürzen die Schmollippen. „Wir wollten auch mal Schlauchbootlippen haben – auch ohne Botox“, witzelte Andrea Petersen. Das Kostüm wirke durch die Watte wie eine kleine Sauna. Ansonsten halten sich die Männer und Frauen während des Wartens mit Schunkeln und Singen warm. Verschwiegenheit sagt man auch den Quallen nach. Die Labamos sehen in ihren weißen Ganzkörperschutzanzügen aus, als würden sie gleich einen Tatort auf Spuren untersuchen. Die schirmförmigen Quallenkörper mit den langen Tentakeln haben sie vorerst auf einem Haufen gelagert – ein typisches Nordseeurlaubsbild von gestrandetem Wackelpudding.

Die Monheimer Mädchen, die wie eine tiefblaue Welle durch die Straßen wogen, haben geografisch ein bisschen getrickst und das Bermudadreieck an den Rhein verlegt. Sie beklagen, dass mit den Altstadtkneipen Alter Markt, Zum Ostfriesen und dem Pub Club 28 das einst berüchtigte Monheimer Bermuda-Dreieck untergegangen sei. „Jetzt hat der Rhein die Kneipen aufgesaugt“, sagt Heike Bertram. Als Schiffchen thronen diese schwankend auf den Häuptern. Mit den blauen Korsagen, den Reifröcken aus geraffter Organza und ihrem Kopfschmuck sind sie sicher Anwärter auf einen der vorderen Plätze bei der Kostümprämierung. Zum Schönheitswettbewerb sind auch die Altstadtfrauen angetreten, die sich heuer direkt als Schminktisch mit Spiegel ausgeben. „Wir haben diesmal mehr gebastelt als genäht“, sagt Bettina Klädtke und legt dann haarklein dar, welche Art von Verpackung etwa für den überdimensionalen Lippenstift oder die Wimperntusche recycelt wurde. „Die Bürste hier ist aus Herta-Fitness-Schinken und Kabelbindern“. Der Tisch halte entweder mit dem natürlich ausladenden Beckenknochen oder einer Schwimmnudel auf den Hüften.

Ähnlich „sahneschnittig“, wie Prinz Lars I. spontan ausruft, kommen die Maatplatzjecke daher. Als Zuckerbäcker in pastelligen Tönen laufen sie im Kielwasser einer Riesensahnetorte garniert mit Lolli und Zuckerstangen, dem „Sahneschnittchen Monheim“, das Schlaraffenland über Nacht. „Wenn da nicht die rot-grünschillernden Fliegen wären, die naschen wollen“, sagt Uwe Köhler und lächelt fein unter seinem kühn geschwungenen dünnen Bärtchen.

Peto schließlich amüsiert sich über das Unwohlsein der anderen Parteien angesichts der blauen Welle, die das Rathaus erfasst hat. Die Partei ist ihrer Affinität zu Kinderbüchern treu geblieben und hat eine Villa Kunterbunt auf ihren Mottowagen gebaut. Der „kleine Onkel“, das einzige Pferd im Zug, wird nicht getragen sondern gezogen. Wer unter den vielen Pippis nun das starke Mädchen ist, ist nicht auszumachen. Auch der Bürgermeister kommt in zweifarbigen Strümpfen.