Literatur im Geschwindigkeitsrausch beim Poetry Slam
31.10.2009 | 10:06 Uhr 2009-10-31T10:06:00+0100Düsseldorf. Die 13. Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften begannen am Donnerstag im Kulturzentrum Zakk und im Schauspielhaus. 250 Teilnehmer sind es, die in 18 Vorrunden mit viel Schlagfertigkeit, Einfallsreichtum, Rhythmik und Geschwindigkeit um die Wette dichten.
Wer die Dichtkunst für im Sterben liegend oder gar tot hielt, wird bei den 13. Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften in Düsseldorf eines Besseren belehrt. Schon während der Vorrunden ist der Saal im Zakk brechend voll, alle Stühle sind besetzt, Besucher drängen sich an den Wänden entlang und nehmen sogar auf dem Boden Platz, um der crème de la crème der deutschsprachigen Wortakrobaten zu lauschen. In Düsseldorf finden seit Donnerstag die Meisterschaften statt. Dafür sind die besten Poeten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein angereist.
250 Teilnehmer sind es, die in 18 Vorrunden mit viel Schlagfertigkeit, Einfallsreichtum, Rhythmik und Geschwindigkeit um die Wette dichten. Maximal sechs Minuten Zeit haben die Kandidaten, die in ihren Städten bereits Meister geworden sind, um in Düsseldorf Publikum und Jury zu überzeugen. Wer länger spricht, dessen Worte werden mit einem schrecklichen Getöse vom DJ-Pult unterbrochen. Doch den meisten reicht die knappe Zeit - witzige Alltagserlebnisse, Gesellschaftkritisches, Nachdenkliches, ja ganze Lebensgeschichten werden vorgetragen. Zeitgenössische Literatur, mal minimalistisch, mal wortgewaltig. Das gesprochene Wort fegt wie ein Gewitter über den Saal, die Verbalkämpfer schießen mit ihren Worten in einer dermaßen rasanten Geschwindigkeit, dass man beim bloßen Zuhören fast atemlos wird.
So kann es doch nicht weitergehen...
Suleiman aus Paderborn schildert zum Beispiel die Folgen, die eine harmlose SMS mit den Worten „Ich weiß es” haben kann und bringt den Saal mit den gedichteten Reaktionen seiner SMS-Empfänger zum Jubeln. Spaßig spitz sind auch die Worte des Münsteraners Marian Meuser, der sich fünf Minuten lang bekannter Werbeslogans bedient - als sehr originelle Kritik an der Werbeflut in Funk und Fernsehen.
Wie zu Goethes Zeiten scheint das Dichten immer noch überwiegend in Männerhand zu sein. Nur wenige Frauen sind bei den Meiserschaften dabei. Zu ihnen gehört Bente Varlemann, die genial die nächtlichen Gedanken einer Frau aneinanderreiht, die in einer Bar sitzt und sich langsam betrinkt. Ihr Beitrag wird mit frenetischem Applaus belohnt, so wie die meisten, die die Bühne betreten.
Buh-Rufe für die Jury-Wertung
Das Publikum schätzt offensichtlich die Leistungen, die es an diesem Abend geboten bekommt. Doch nicht jeder Kandidat kann ins Finale. Eine Jury vergibt Punkte von 1 bis 10 und entscheidet damit, wer weiterkommt. Laute Buh-Rufe hallen durch den Saal, wenn eine Bewertung unter 7 Punkten rutscht. Die Kandidaten selbst scheinen das gelassener zu sehen, sie witzeln und sticheln zwar gegeneinander, aber es herrscht eine kumpelhafte Stimmung. Man kennt sich.
„So kann es mit dir nicht weitergehen” hieß der witzige Beitrag des Düsseldorfer Kandidaten Jonas Jahn, in dem er originell die willkürlichen Gedanken eines Bewerbers auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch schildert. Und tatsächlich: Für Jonas geht der Wettbewerb an diesem Abend trotz Heimvorteil und frenetischem Beifall leider nicht weiter. Dagegen hat Nico Semsrott noch Titelchancen. Er ist aus Hamburg, tritt aber für Düsseldorf an.
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