„Liebe ist, wenn man trotzdem pupst“

Draußen wird auch gespielt. Von den Premierengästen wird Mobilität erwartet.
Draußen wird auch gespielt. Von den Premierengästen wird Mobilität erwartet.
Foto: Hoppe
Was wir bereits wissen
Tolle Premiere: Das Junge Schauspielhaus in Düsseldorf sucht mit „Herzrasen“ den Klang der Liebe im Jahr 2015.

Düsseldorf..  Die SMS zeigt: Smiley. Herz. Herz. Herz. Die prompte Antwort besteht ebenfalls aus Emoticons, einem Kuss-Smiley und noch mehr Herzen. Ist sie so, die Liebesanbahnung 2015? Bestimmt statt dem Klang der Stimme, dem Duft des begehrten Gegenübers das Geräusch einer eingehenden WhatsApp den Grad des Interesses, die Intensität des Herzklopfens?

In dem Stück „Herzrasen“ (ab 13 Jahre) setzen sich unter der Regie von Bianca Künzel neun Düsseldorfer zwischen 14 und 71 Jahren mit den Kommunikationsformen auseinander. Von den Premierengästen wird Mobilität erwartet, räumlich sowie im Kopf. Start ist auf dem Platz vor dem Jungen Schauspielhaus. Er wird zum digitalen Marktplatz der Anbahnungsforen. Die Phrasen ähneln den Kurztexten der Er-sucht-Sie-Sie-sucht-ihn-Kleinanzeigen.

Begegnung beim Speed-Dating

„Tom, kein Bauch, kein Bizeps...“ oder „mag Museen, große Männer“. Nur dass – Jugendsprache gemäß – von „Likes“ (Gefallen) und „Dislikes“ (Nichtgefallen) die Rede ist.

In der zweiten Szene geht es zur realen Begegnung beim Speed-Dating. Das ist im Foyer des Jungen Schauspielhauses. Die Besucher nehmen hinter roten Vorhängen an Palettentischen platz. Das schnelle Aussieben potenzieller Partner übernehmen die Protagonisten. Doch durch die Anordnung werden die Zuschauer zu Akteuren. Mit dem Gegenüber Blickkontakt aufnehmen, in Dialog gehen – ein spannender Moment. Jede der Charaktere bietet Identifikation. Das 14-jährige Mädchen Emma, das sich so sehr einen Freund wünscht und Probleme mit dem Erröten hat. Oder der Witwer, der nach 44 Jahren Ehe eine neue Beziehung haben möchte.

Unterhaltsame Intimität und Solidaritätsseufzer aus den Publikumsreihen hält der dritte Teil des Stücks bereit. Die Karawane zieht erneut weiter, sie sammelt sich im oberen kleinen Theatersaal. Dort sind auf dem Boden die Karten ausgebreitet, die auf Aufforderung des Teams in den letzten Wochen von Düsseldorfern an Liebesgott Amor geschrieben und in die Briefkästen des Hauses gesteckt wurden. Sie begleiten eine Reise in die Vergangenheit, alte Liebesbriefe tauchen auf. Dazu kommen Momentaufnahmen der Gegenwart: „Lieber Amor, mach, dass er sich von ihr trennt“ steht da. Oder „Ich bin in den Schauspieler von ‘Tschick’ verliebt“. Und als Definitionen der Liebe: „Liebe ist, wenn man trotzdem pupst“. Ist womöglich das der Klang der Liebe? „Herzrasen“ entlässt die Zuschauer berührt, erfüllt und heiter. Danke schön!