Leichensack-Marsch lässt Menschen in Tränen ausbrechen

Die Demonstranten, die den Marsch schweigend und in schwarzer Trauerkleidung vollziehen, am Carlsplatz.
Die Demonstranten, die den Marsch schweigend und in schwarzer Trauerkleidung vollziehen, am Carlsplatz.
Foto: Wappner
Was wir bereits wissen
150 Menschen erinnerten Samstag in der Düsseldorfer City an die tausenden Toten im Mittelmeer. Und ließen verstörte Passanten zurück.

Düsseldorf.. Am 8. Mai gedachten die Düsseldorfer dem Ende des Schreckens des Zweiten Weltkriegs. Einen Tag später hielten die Menschen am Mannesmannufer erneut inne. Auf der Rheinwiese liegen zahlreiche Plastiksäcke, gefüllt mit Ballons, Altpapier oder Kunststoffmüll. Die Beutel sind mit Blumen und Kränzen versehen, sie sollen Leichensäcke darstellen, in Erinnerung an die tausenden Toten im Mittelmeer. „Siebzig Jahre nach Ende des Kriegs sind die Zahlen der Flüchtlinge wieder gleich hoch“, sagen die Initiatoren, die sich aus dem Psychosozialen Zentrum für Flüchtlingshilfe und Occupy aus Düsseldorf sowie zahlreichen anderen Gruppen aus der Region zusammen setzen.

„Stoppt das Töten vor den Toren Europas“

Die Düsseldorfer Leichensack-Installation unter der Kniebrücke verfehlt ihre Wirkung nicht. Viele Passanten bleiben stehen, sind verstört, eine Frau bricht sogar in Tränen aus. Auf einem Transparent steht „Stoppt das Töten vor den Toren Europas“.

Zuvor, gegen zwölf Uhr mittags, hatten sich am Samstag rund 150 Menschen am Martin-Luther-Platz versammelt, um dann gemeinsam einen Trauermarsch zu bestreiten. Es geht um die Männer, Frauen und Kinder, die immer wieder im Mittelmeer auf ihrer Flucht vor Krieg und Elend ersaufen. Noch vor drei Tagen haben vor der Küste Libyens zwei Schiffe der Bundeswehr mehrere Hundert Menschen von einem selbst gebauten Floß gerettet. Die Demonstranten, die den Marsch schweigend und in schwarzer Trauerkleidung vollziehen, tragen die Leichensäcke über die Kö, am Carlsplatz vorbei bis zum Rheinufer. „Einige Mitstreiter haben kritisiert, dass wir zu wenige Transparente hätten“, sagt später Initiatorin Anabel Jujol. „Wer sich aber nicht interessiert, dem helfen auch keine Transparente. Die Aktion ist gelungen.“