Landwirte gegen Tourismus-Pläne

Monheim..  Er ist Landwirt, hauptberuflich im Versuchshof von Bayer Crop Science in Burscheid, nebenberuflich im Rheinbogen und er züchtet Schottische Hochlandrinder. Damit ist Gerd Lohmann geradezu prädestiniert, das von der Stadt geplante Wasserbüffel-Projekt zu betreuen. „Ich bin auch schon angesprochen worden, ob ich nicht demnächst Büffel-Burger produzieren wolle“, sagt er, winkt aber im gleichen Atemzug ab. „So ein Projekt ist nur mit erheblichem Aufwand möglich, dafür muss man viel Geld in die Hand nehmen.“ Es wäre seiner Ansicht nach besser in der Umgebung von Haus Bürgel aufgehoben, wo es noch eine richtige Weidebewirtschaftung gebe.

Westlich des alten Deiches, am Rheinufer, gebe es keine Zäune mehr, da sich darin bei Hochwasser zu viel Treibgut verfängt. „Und frei herumlaufen lassen kann man die Büffel ja nicht.“ Aus der Erfahrung mit seiner Rinderzucht weiß Lohmann, dass täglich jemand nach den Tieren sehen muss –auch wenn sie extrem genügsam und robust sind. Außerdem stelle sich die Frage, wohin die Tiere im Hochwasserfall in Sicherheit gebracht werden sollen. Er selbst treibe die Rinder dann von den Überflutungsflächen auf eine kleine Wiese, die vom neuen Deich geschützt ist – dies sei aber nur eine kurzfristige Lösung. Wegen des hohen Pflegeaufwandes plane er ohnehin, seinen Bestand von derzeit 14 Rindern zu verkleinern, den Bullen habe er schon abgeschafft.

Ganz generell findet Lohmann die städtischen Planungen für das Rheinvorland unpassend, „weil hier ausschließlich über Privateigentum verfügt wird.“ Der Bayer-Konzern habe die Fläche in den 80er Jahren aufgekauft, um sie von Planungen freizuhalten, die die chemische Produktion im Dormagener Werk beeinträchtigen könnten. „Da wir als Landwirte nur berechtigt sind, den Aufwuchs des Grünlandes zu ernten, müsste Bayer, wenn es einen Bewirtschaftungsstopp ausspräche, auch keine großen Entschädigungen leisten“, ergänzt Klaus Förster vom Forsthof, der im Rheinvorland vor allem Heu macht. Außerdem werde ein Teil der von ihm gepachteten 36 Hektar im Kerngebiet bereits ökologisch weiterentwickelt, betont Lohmann. Gerade habe er 50 Obstbaumhochstämme angepflanzt, ausschließlich alte Sorten. Dieses von der Unteren Landschaftsbehörde finanzierte Projekt sei Teil eines Kulturlandschaftsprogrammes, um dort eine Struktur wie vor 100 Jahren entstehen zu lassen.

„Es geht darum, das Kulturgut Streuobstwiese, das typisch für diese Region ist, zu bewahren“, sagt Ralf Badtke von der Biologischen Station. Die alten Sorten böten eine größere geschmackliche Vielfalt als die heute üblichen Sorten. Insgesamt stehen die im Rheinvorland tätigen Landwirte dem Projekt eher ablehnend gegenüber. „Tourismus und Landwirtschaft vertragen sich nicht“, sagt Lohmann. „Die vielen freilaufenden Hunde verderben mir mit ihren Hinterlassenschaften das Heu und wenn sich die Leute an meinem Obst bedienen, reißen sie oft große Äste ab“, erklärt er. Klaus Förster ärgert sich auch darüber, dass die Leute, die dort wild campieren oder grillen, grundsätzlich ihren Müll liegenlassen. Er habe auch schon Scherben im Heu gefunden. Auch die Brandgefahr werde unterschätzt. „Das Problem ist, dass die Menschen heute den Bezug zur Landwirtschaft verloren haben – vor 50 Jahren war das noch anders.“ Wenn er sie aber freundlich aufklärte, zeigten sich die meisten verständnisvoll. Der Rest empfehle ihm, doch einen Zaun zu ziehen.

Der ehemalige CDU-Ratsherr Lohmann hatte eigentlich gedacht, dass der große Freizeitdruck, der auf den Rheinauen lastet, in den künftigen Freizeitpark Am Werth gelenkt werden soll. Er findet daher auch das Wegenetz im Rheinvorland als völlig ausreichend, die vorhandenen Wege müssten nur ordentlich instandgesetzt und gepflegt werden. Da hat die Stadt wohl den ersten Schritt vor dem zweiten getan. Wenn man fremdes Eigentum überplant, sollte man erst mit dem Eigentümer sprechen. Die Pächter jedenfalls stehen den Plänen skeptisch gegenüber. Fraglich ist, ob Bayer Lust hat, seine Vertragspartner zu verprellen, die infolge einer intensiveren touristischen Nutzung noch mehr Konflikte auszutragen – und mehr Schäden hinzunehmen haben als bisher. Der Bayer-Konzern hat sich zumindest gegenüber unserer Zeitung nicht vergleichsweise so euphorisch über den Charakter der Gespräche mit der Stadt geäußert wie diese es tut. Wenn die Gespräche so konstruktiv verlaufen sind, wie die Stadt behauptet, und die Prüfung der Abstandsregeln eine reine Formsache darstellt, warum hat dann für Herbst angekündigte Beteiligung der Öffentlichkeit noch nicht stattgefunden?