Lahmgelegt
05.03.2008 | 18:24 Uhr 2008-03-05T18:24:00+0100Die Gewerkschaft Verdi legte gestern große Teile des öffentlichen Nahverkehrs lahm.
Es ist noch mitten in der Nacht, als die ersten Streikposten Stellung beziehen. Drei Uhr früh postieren sich die Rheinbahner vor den Werktoren der Straßenbahn-Depots, um wieder für einen ganzen Tag den größten Teil des öffentlichen Nahverkehrs lahm zu legen. Eine Stunde später sind es rund 300 Mitarbeiter des Flughafens, die dafür sorgen, dass bis neun Uhr keine Gepäckbänder rollen. Über 70 Flüge werden annuliert, hunderte Jets starten und landen mit erheblichen Verspätungen. Die Gewerkschaft Verdi zielt mir ihren Warnstreiks auf einen Lebensnerv der Stadt, auf die Mobilität der Menschen. Hunderttausende Pendler und Reisende bekommen es gestern zu spüren.Es ist ein Tag, an dem Autofahrer nur im maßgeschneiderten Nervenkostüm losfahren sollten. Viele Bahnkunden müssen notgedrungen auf den Pkw umsteigen. Im Nu sind mehrere Einfallsstraßen nach Düsseldorf verstopft. Auf der B 8 im Norden geht es nur im Schritttempo voran. Ebenso auf den Rheinbrücken und den Autobahnen A 52 und A 44. Da sind auch diejenigen nicht besser dran, die erleichtert einen freien Platz in einem der wenigen Busse gefunden haben. Die stecken ebenso im Stau - der Fahrplan ist nur Makulatur. So hat ein Linienbus aus Mettmann bereits 40 Minuten Verspätung, bevor er überhaupt die Stadtgrenze erreicht. Die Polizei kann erst um 9.30 Uhr Entwarnung geben. Aber die Lage enstpannt sich nur für wenige Minuten. Dann marschiert die 8000-köpfige Streikfront in drei Zügen durch die Innenstadt und bringt manchen Autofahrer in Raserei. Ein Taxifahrer schlägt sich auf der Haroldstraße mit den Händen gegen den Kopf. Gerade hatte er noch freie Fahrt. In dem Moment, als die Ampel auf Grün springt, stoppt ihn ein Verkehrspolizist mit vorgehaltener Kelle. Erst müssen tausende Demonstranten an ihm vorbei, die über die Rheinkniebrücke zum Innenministerium und dann zum Burgplatz ziehen. Das dauert eine Ewigkeit. Für über eine halbe Stunde kommt der Verkehr auf mehreren City-Straßen zum Erliegen. Da die Brücke Richtung Oberkassel gesperrt ist, staut es sich auf der wichtigen Achse Graf-Adolf-Straße - mit folgendem Domino-Effekt. Rücksichtslose Autofahrer blockieren die Kreuzungen, so dass auch auf der Corneliusstraße, der Elisabeth- und Friedrichstraße alles steht. Nur Radfahrer kommen voran - auf dem Bürgersteig! Erst mit fast einstündiger Verspätung tritt Verdi-Chef Frank Bsirske am Burgplatz auf die Bühne. Er muss sich gedulden, weil auch viele Busse mit Streikenden aus ganz NRW im Stau steckengbelieben sind. In der bibbernden Kälte wärmen sich die Teilnehmer mit heißer Suppe auf. Dass keiner schlapp macht, dafür hat der Katastrophenschutz vom Arbeitersamariterbund mit seinen großen Gulasch-Töpfen gesorgt. An der Großkundgebung beteiligten sich allein aus Düsseldorf weit über 4000 Beschäftigte. In die Streiklisten tragen sich ein: laut Verdi rund 1800 Rheinbahner, über 1000 Stadtwerker, mehrere hundert Müllmänner, über 700 städtische Mitarbeiter, darunter allein 350 vom Gartenamt, ebenso rund 150 Mitarbeiter der Bundesbank an der Berliner Allee und sogar mehrere Angestellte der Wehrbereichsverwaltung. Heute legen die Gewerkschaften hier wohl eine Pause ein. Doch schon bald drohen weitere Streiks. Am Montag wollen die Lokführer in den Ausstand treten.
10:18
Ungerechtes, unsoziales Verhalten: Alles wird auf dem Rücken der ohnehin Schwachen ausgetragen. Diejenigen, die sich kein Auto leisten können sind idR auch diejenigen, die keinen flexiblen Arbetsplatz haben und bei einem zu späten Erscheinen gleich ihren Arbeitsplatz verlieren. So wie gestern wieder zahlreich geschehen. Wenn dies das Ziel der Gewerkschaften ist, dann DANKE !