Kunstakademie Düsseldorf lädt zum "Rundgang 2012"
08.02.2012 | 16:00 Uhr 2012-02-08T16:00:00+0100
Düsseldorf. Rund 600 Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie zeigen bis kommenden Sonntag, 12. Februar, ihre Semesterabschluss-Arbeiten an der Akademie. Zu sehen ist jede Menge Experimentierlust mit Malerei, Skulptur, Film bis zur Performance. Der Rundgang 2012 hat zusammengefasst eine Botschaft: Hingehen!
Ist das der Bus zur wahren Kunst. Oder zum Erfolg? Die junge Frau im Businessanzug an der Haltestelle auf dem Akademieflur lächelt milde: „Wer weiß schon, wo’s langgeht?“ sagt sie mit Blick auf die Leerstellen des Schildes Statt dessen preist sie als Live-Installation ihre Lektüre im Koffer. „Ändere dein Leben, erfinde dich neu“ oder finde besser gleich eine Galerie?...
Künstlerische (Selbst-)Ironie in Ehren. Aber der aktuelle Rundgang durch die Klassenräume der 575 Kunststudenten der Kunstakademie verheißt dem Besucher bis Sonntag, 12. Februar, jede Menge vielversprechende Richtungen. Wobei die schöpferische Experimentierlust und Qualität beim bildhauerisch arbeitenden Nachwuchs ausgeprägter erscheint als in der Malerei - und den Grenzgängern vermutlich die Zukunft gehört.
Weiße Wände, weniger Boheme - es ist cleaner geworden in der Akademie
Groß ist jedenfalls die Neugierde beim Publikum auf die Kunst von morgen. 44.000 Rundgänger wollten 2011 wissen, was die Schülerschaft nicht nur so prominenter Professoren wie Rosemarie Trockel, Tony Cragg, Andreas Gursky, Katharina Fritsch und Co. sondern auch ihrer Kollegen bewegt. Es ist cleaner, aufgeräumter geworden in den letzten Rundgang-Jahren. Weiße Wände, weniger Boheme auf den Fluren, ein Sicherheitsdienst achtet auch darauf, dass nicht geraucht wird. An - und aufregend ist die Klassenschau aber immer noch!
„Manche sehen das hier wie einen Basar“, kritisiert Katharina Wackermann. Sie versteht den Rundgang als Plattform. „Wir zeigen: Das passiert hier!“ Sie ist im 9. Semester und von Professor Vermeiren zu Richard Deacon gewechselt. „Andere Klasse, anderer Input“. Kantige, geometrische Strenge und organische Form prallen bei ihr aufeinander. Während sich der architektonische Betonkörper in den Raum stellt, scheinen die wunderbar modellierten Füße davor gleich loslaufen zu wollen.
Seins-Frage mit dem Kugelschreiber
Eine Sehnsucht nach Beständigkeit steckt hinter den Arbeiten von Lars Julien Meyer. Kupfer bestimmt seine präzise ausgearbeitete Installation, die Beuys’ „Palazzo Regale“ zitiert. Mit dem Kugelschreiber stellt sich Masakazu Kondo den großen Fragen von „Zeit und Sein“. Seine Abschlussarbeit in der Klasse von Katharina Fritsch lockt in ein schwebendes Panorama-Rund. Drinnen erzählen asiatisch fein gezeichnete Pflanzen und Tiere vom Wandel.
Auffällig ist das harmonische Zuspiel der sechs Künstlerinnen und Künstlern in der Klasse von Bildhauer und Akademierektor Tony Cragg. Ob mit verschmolzenen Plastikschläuchen, dynamisch verwirbelten Holzleisten, Gips oder Stahl, sie alle sind der Struktur, dem Wesen von Körpern auf der Spur..
Während Andreas Schmitten eben noch den weißen Faltenwurf seiner Abschlussarbeit in der Herold-Klasse optimiert. Ein Perfektionist, kein Zweifel. Seine Installation, die wie ein abstrahierter Ladenbau daherkommt, atmet beklemmende Makellosigkeit.
In weltweite Elendsviertel dagegen katapultiert Sarah Müller den Besucher.. Wer in ihre von Plastik umzingelte Hütte abtaucht, betritt (Über-)Lebensraum und Geisterbahn zugleich.
Angelika Trojnarski hatte bei Immendorff und Lüpertz Malerei studiert. Jetzt schätzt sie die mediale Offenheit in der Gursky-Klasse. Fotografie, Malerei, Film, Projektion, Objekt gehen hier einander beflügelnde Beziehungen ein. „Sehr präsent“, sagt sie, sei Andreas Gursky als Professor. Wie zum Beweis dringt sein Hämmern für die Hängung aus dem Nebenraum.
Die Rundgang-Termine der kommenden Jahre finden sich hier.
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