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Kunst aus NRW - „Die Große“ mit den kleinen Preisen

21.02.2013 | 19:23 Uhr
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Kunst aus NRW - „Die Große“ mit den kleinen Preisen
„Die Grosse" Kunstausstellung NRW, im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Das Bild "51°15´41,5´´N - 6°43´59,1´´ - 15.05.2012-19:32MEZ" des Künstlers Ansgar Maria van Treeck.Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Das Jahres-Schaulaufen der Kunstszene Nordrhein-Westfalens, "Die Große Kunstausstellung NRW", ist ab 24. Februar im Düsseldorfer Museum Kunstpalast zu sehen: 170 Künstler und Künstlerinnen dem ganzen Land stellen aus. Werke gibt es auch für unter 1000 Euro zu kaufen.

Nachdem Karl Lagerfeld gerade in der Wochenzeitung „Die Zeit“ über Kunstsammler gelästert hat, die viel zu viel Geld ausgeben, weil sie immer nur die teure, etablierte Kunst kaufen, müsste Düsseldorf jetzt eigentlich einen wahren Ansturm erleben.

In den Ateliers der Kunsthochschule zeigen die Studenten noch bis zum Sonntagabend beim alljährlichen Akademierundgang, dass sie eigentlich genauso gut in einer Altstadt-Galerie ausstellen könnten. Und ein paar Schritte den Rhein runter, im Museum Kunstpalast, wird am Samstagabend „Die Große“ eröffnet: Das Jahres-Schaulaufen der Kunstszene Nordrhein-Westfalens, 170 ausgewählte Künstler und Künstlerinnen von Tecklenburg bis Köln, von Iserlohn bis Kleve, wenn auch die allermeisten in der Landeshauptstadt leben und arbeiten.

Im Vordergrund: Andreas Thein, F04 aus Fremdenzimmer.Foto: Lars Heidrich

Bitte keinen Wind machen!

Es sind auch Altmeister vertreten. Der surreale Maler Konrad Klapheck etwa, dem der Kunstpalast im April noch eine ganze Retrospektive widmen wird (Kohle-/Kreidezeichnung für 1600 Euro), oder gar der Ende 2012 verstorbene Infromel-Meister Thomas Grochowiak (Angeregt durch Schumanns Frühlingssinfonie, Tusche auf Bütten, 10 000 Euro).

Doch spannend wird „Die Große“ durch all jene, die eine Akademie vielleicht schon hinter sich, aber einen großen Durchbruch erst noch vor sich haben. Anja Maria Strauss zum Beispiel, die in der Ausstellung ein drei Meter hohes Drahtgeflecht von der Decke baumeln lässt, das mit Hunderten von Löwenzahnblüten bestückt ist, die sich inzwischen in Pusteblumen verwandelt haben (3500 Euro). Das macht ganz neue Museumsschilder nötig: Bitte keinen Wind machen!

 

Zur Ausstellung

„Die Große“: 24. Februar-17. März, Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, Düsseldorf. Eintritt: 6 Euro, erm. 3 Euro.

Katalog: 20 Euro (inklusive Eintritt, für 2 Pers.: 24 Euro).

Den Kunstpreis der Künstler erhielt in diesem Jahr der Amsterdam geborene Peter Royen (89) für sein Lebenswerk.

Oder die Malerin Natascha Schmitten, die mit „zerknittert in Rot“ das Thema weiblicher Akt noch einmal neu von hinten aufrollt, mit gekonnten Andeutungen und impulsiver Farbgebung (950 Euro). Der gebürtige Isländer Jón Thor Gíslason wiederum spielt in seinem „Gruß an Manet“ in neon- und himmelblaufarbenem Acryl mit dem berühmten „Frühstück im Freien“ – heute sind aus den beiden Anzugträgern metrosexuelle Yuppies geworden und aus der Nackten eine Geisha (7000 Euro).

Auch Fotografie ist stark vertreten

Spielernaturen wird vielleicht das „Selbstorganisierende Still-Leben“ von David Fried gefallen, fünf weiße Marmorkugeln auf weißem Granit, die nach einer geheimnisvollen Steuerung durcheinanderkullern und ein unaufhörliches „Klacker-di-klack“ hören lassen. Zum Preis eines Mittelklassewagens freilich (23 000 Euro).

Sechs Meter hoch: „Im Zusammenhang" von Johannes Lenhart.Foto: Lars Heidrich

Auch die Fotografie ist stark vertreten, manipuliert, digital und –  ganz gegen Walter Vogels Fotografie „Der letzte Analoge“, die eine Ritterrüstung mit Leica vor dem Bauch zeigt (3600 Euro) – analog und schwarzweiß. Ganz stark: Peter Buchwalds enorm lachende Frau mit der Hand auf einer nackten Männerschulter („Stück vom Leben“, 2900 Euro), Matthias Leupolds Himmelslicht durchs Kirchenfenster als Scheinwerfer in der Basilica di San Pietro (1200 Euro) sowie Paolo Leones Über-Bild „Madonna dell’ Alto“ mit einer Prozession irgendwo im italienischen Nirgendwo, hoch oben auf dem Berg, wo Männer schwitzen und wichtig tun, während ihnen eine berauschend beunruhigende Landschaft zu Füßen liegt (2950).

Und auf keinen Fall verpassen sollte man den vierten Ausstellungssaal auf der Rheinufer-Seite des Museums, hier bietet sich ein qualitätvolles Panorama aus Zeichnungen, Collagen und den für kleines Geld zu habenden, grandiosen „Dreams of Jazz“-Linolschnitten von Bertram Rutz (570 Euro, Auflage: 7). Wäre vielleicht auch was für Lagerfeld.

Jens Dirksen

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