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Kronzeuge soll weiter in Behandlung

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Ein Jahr Bewährungsstrafe hat das Landgericht gestern gegen einen 29-Jährigen verhängt, der in einer E-Mail gedroht hatte, die Präsidentin des Oberlandesgerichts (OLG) zu entführen und zu töten. Zunächst hatte ein Gutachter den Angeklagten als gefährlich eingestuft, hatte deshalb dessen dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie-Klinik befürwortet.

Gestützt war diese Einschätzung auch darauf, dass der Angeklagte angab, er sei Augenzeuge einer Schießerei gewesen, habe als Kronzeuge zwei Mafia-Täter hinter Gitter gebracht, sei daher im Zeugenschutzprogramm. Der Gutachter hielt dies für erfunden.

Angeklagter sagte die Wahrheit

Vor dem Landgericht kam allerdings heraus: Der Angeklagte hatte die Wahrheit gesagt und ist keineswegs gefährlich. Er gab zu, die Droh-Mail aus Frust an die Staatsanwaltschaft geschickt zu haben – weil sich in seinem Zeugenschutzprogramm niemand darum kümmerte, ihm jetzt einen angeblich fest zugesagten Job zu beschaffen.

„Damit mir einmal jemand zuhört“, habe er sich nach vergeblichen Bittbriefen an diverse Bundesbehörden diese Mail ausgedacht – und war prompt in der Psychiatrie gelandet. Dort war er wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung als Folge seiner Kronzeugen-Rolle schon früher behandelt worden.

Regelmäßige ärztliche Betreuung

Aber unter regelmäßiger ärztlicher Betreuung samt der Verabreichung von Arzneimitteln sei von ihm keine schwere Straftat zu erwarten, erklärten nun zwei Gutachter im Prozess. Also durfte der 29-Jährige das Gericht auf Bewährung am gestrigen Freitag wieder verlassen – unter der Auflage, seine psychiatrische Behandlung auch zukünftig fortzusetzen.

Wulf Kannegießer

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