„Kreidekreis“ feiert in Düsseldorf Premiere

Jonathan Schimmer (rechts) spielt den erkrankten Jungen Li und schlüpft in dir Rolle des Erzählers, Julia Goldberg steht als Haitang auf der Bühne.
Jonathan Schimmer (rechts) spielt den erkrankten Jungen Li und schlüpft in dir Rolle des Erzählers, Julia Goldberg steht als Haitang auf der Bühne.
Foto: Hoppe
Was wir bereits wissen
Premiere Junges Schauspielhaus: Es geht um Mut und Gerechtigkeit. Das Stück stammt von Armin Petras.

Düsseldorf.. „Liebst du mich?“ will der mächtige Mandarin von seiner Zweitfrau Haitang wissen. Diese, einst von ihm in einem Teehaus gekauft, antwortet aufrichtig: „Nein.“ Im Jungen Schauspielhaus atmet das Probenpublikum hörbar aus. Was gibt sie für eine unkluge Antwort in ihrer rechtlosen Situation!

Drei Tage vor Probenende hat das Ensemble Lehrerinnen und Lehrer zu einem Besuch des Stücks „Kreidekreis“ eingeladen. Ursprünglich war das Stück für Kinder ab elf Jahren geplant. Doch jetzt wird von Theaterpädagogen Nils Deventer abgewogen, ob die Schüler und Schülerinnen besser ein Jahr älter wären.

Gerechtigkeit, Mut und Authentizität

Dazu setzt er auf eine Einschätzung der Gäste. Die dürfen die ersten 60 Minuten der Inszenierung sehen, an der letzten Viertelstunde des Stücks wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit gearbeitet. Es ist eine hochspannende Geschichte, die Armin Petras Stück erzählt. Es geht um Gerechtigkeit, Mut, Authentizität.

Bereits Klabund und Berthold Brecht hatten sich der chinesischen Sage angenommen. Kern der Geschichte sind zwei Mütter, die sich um ein Kind streiten. Eine ist die leibliche Mutter, die andere hat das Kind aufgezogen. Der Richter zeichnet einen Kreis. Das Kind kommt in die Mitte, die Frauen sollen an ihm ziehen. So werde die rechte Mutter ermittelt.

Für die Jugendlichen ist die Story zum besseren Verständnis in eine Rahmenhandlung gebettet worden. Der elfjährige Junge Li, der die Geschichte über diesen erbitterten Zank erzählt, ist seit langem im Krankenhaus. Er lebt dort in einer imaginären Welt voller Manga-Heroen. So mutieren die Protagonisten zu Comicfiguren. Durch diesen Kunstgriff wird der komplexe Inhalt mittels Zeichnungen klug übersetzt.

„Unsere Schüler haben einen sehr feine Sinn für Gerechtigkeit“, sagt einer der Hauptschullehrer im anschließenden Gespräch mit Nils Deventer. Auch wenn die gesprochene Sprache des Stücks anspruchsvoll sei, der Inhalt würde durch das Zusammenspiel der Comicelemente, Gesang und Körpersprache der Schauspieler sehr gut vermittelt. Empathie wohnt eben nicht im erhobenen Zeigefinger. Dieser „Kreidekreis“ vermittelt nachhaltig: Das Richtige tun ist das richtige Tun. Über das passende Alter der jungen Zuschauer gibt es übrigens keinen Konsens.

Junges Schauspielhaus, Münsterstr. 446, Premiere Samstag, 18 Uhr, auch Sa. 11. April 18 Uhr, Karten unter 0211/852 37 10