Stadtentwicklung
Kreative aller Stadtteile - vereinigt euch!
17.03.2008 | 14:38 Uhr 2008-03-17T14:38:00+0100Die Stadt muss ihr kreatives Potenzial besser bündeln und zur Schau stellen, fordert Ralf Zilligen, seit Freitag alleiniger Chef des Werberiesen BBDO. Sonst wird sie auf Dauer für die Kreativen unattraktiv.
Nanu - in keiner Stadt werden pro Quadratmeter mehr Ideen geboren als hier, behauptet Ralf Zilligen, seit Freitag alleiniger Düsseldorf-Chef des Werberiesen BBDO. Und trotzdem dümpelt Deutschlands Werbehauptstadt in der Studie „Wohin zieht es die kreative Klasse?” der Unternehmensberatung Roland Berger im hinteren Mittelfeld zehn deutscher Großstädte herum (die berichtete)? Und 3500 Leser der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung strafen die sonst so verwöhnte Landeshauptstadt im Internet mit dem letzten Platz?
Dass die schlechte Bewertung der Universität Düsseldorfs Notenschnitt drückt, ist nur ein Phänomen. Das andere: fehlende Vernetzung und mangelnde Wahrnehmung. Zilligen: „Es gibt zwar viele Kreative in der Stadt, aber die kennen sich nicht und laufen nebeneinander her.” Es gebe kein „Quartier” wie das New Yorker Greenwich Village, in dem sich Kreative begegneten und sich austauschten. „Daraus entstehen Ideen und auch die wichtige Subkultur.”
Das schlechte Abschneiden in der Berger-Studie nimmt Zilligen ernst. Er unterstützt das System des Soziologen Richard Florida, das der Untersuchung zugrunde liegt (siehe Kasten) ausdrücklich und sagt zum Ergebnis: „Es ist ein Beleg dafür, wie die Dinge wahrgenommen werden.” Und damit ein Grund, „warum es schwer ist, einen aus Hamburg nach Düsseldorf zu locken”.
Darum will er Qualität bündeln. Die Kreativen an einen Tisch bringen. An einen großen. Mit der Stadt. An seiner Seite: Chef-Wirtschaftsförderer Wolfgang Miethke. Er hat grünes Licht aus dem Rathaus. „Das Thema ist dort erkannt, weil es wichtig ist für die Stadt”, sagt Miethke. Sein Büro arbeitet an einer Bestandsaufnahme: Wie viele Künstler gibt es beispielsweise in Düsseldorf? Miethke: „Wir tun viel, aber es muss noch stärker kommuniziert werden.” Die Stadt gibt Geld für einen längeren Spot, der auf den Werbefilmfestspielen in Cannes gezeigt wird. Ziel: die Wahrnehmung für Düsseldorf als kreativer Stadt stärken. Oder wecken. Zilligen: „Das ist neu.”
Er selbst will mit NRW-Forum-Chef Werner Lippert („ein Bruder im Geiste”) einen Kongress der Kreativen hinbekommen. Zum Abschluss der Ausstellung „Radical Advertising”, die sich mit Entwicklungen in der Werbung befasst. „In Hamburg und Berlin gibt es solche Foren schon”, berichtet Zilligen. „Dabei geht es zunächst um Wahrnehmung und dann um Förderung.” Die Stadt könne ohnehin nur ein paar Rahmenbedingungen schaffen. „Kreativität lässt sich nicht verordnen, sie entsteht.” Der Talentfluss dürfe nicht versiegen, „denn das ist für eine Stadt die Lebensversicherung.” Schließlich profitierten auch die Unternehmen von einem guten Klima in der Stadt.
Düsseldorf muss mehr sein als die Summe aus Mode und Lifestyle, findet Ralf Zilligen. Und warum engagiert er sich bei diesem Thema? „Ich will in einer spannenden Stadt leben.” Das kann ja noch werden.
19:29
Ist ja kein Wunder. Die Kreativität der Bürger wird von den Stadtoberen gebremst. Das Mitspracherecht bezüglich der Stadtentwicklung besteht praktisch nicht. Stattdessen ist man bemüht, wie zum Beispiel mit der rücksichtslosen Bebauung des Jan-Wellem-Platzes und dem Abriß des Tausendfüßlers der Stadt ihr Bild zu nehmen. Vorschläge seitens der Bürger, wie es besser zu machen ist, werden abgebügelt, weil sie den Interessen einiger Investoren und weniger Politiker nicht entsprechen.
Dazu kommt, daß Subkultur in den Stadtteilen - zudem in Hinterhöfen und Winkeln - entsteht. Auch hier verwechselt die Stadtführung das unangemessene Zustellen des Viertels mit einem klotzigen Einkaufstempels mit Urbanität. Siehe Bilk. Hier hat man eine echte Chance vertan, Krativität und Identifikation mit seinem Quartier zu fördern.