Koptisch-Orthodoxe Kirche

In ihrer arabischen Heimat haben es kophtischen Christen nicht leicht: Die brutale Ermordung jetzt in Libyen war nicht die erste Gräueltat an der christlichen Minderheit: Bei einem Terroranschlag am 1. Januar 2011 in Alexandria kamen bei einem Silvester-Gottesdienst 23 Menschen ums Leben, 97 wurden teils schwer verletzt. Schon dieser Anschlag hatte Auswirkungen auf die Düsseldorfer Gemeinde: Auf das gemeinsame Essen nach dem Weihnachtsgottesdienst wurde in Düsseldorf verzichtet. Aus Sicherheitsgründen. Das Bundeskriminalamt hatte die Düsseldorfer Gemeinde vor Anschlägen gewarnt. Im Internet war damals eine Liste der koptischen Gemeinden in Deutschland aufgetaucht – mit entsprechenden Drohungen.

Die koptisch-orthodoxe Gemeinde hier in Düsseldorf ist nach Frankfurt die größte in Deutschland. Als die St. Marien-Kirche im August 1992 in Düsseldorf-Grafenberg eingeweiht wurde, war Shenouda III. persönlich da, damals Oberhaupt der koptischen Christen. Pastor Boulos Shehata zeigt noch immer stolz auf ein Foto, das in seinem Büro hängt. „Das ist von der damaligen Einweihung.“

Boulos Shehata ist von Düsseldorf aus gemeinsam mit Pfarrer Tawadros für die 350 koptischen Familien in Nordrhein-Westfalen zuständig. Immigranten sind die meisten, aus Ägypten, Äthiopien, Eritrea, nun hier im Rheinland, aber auch in Dortmund, Wuppertal oder Bielefeld.

Wer den Kirchenraum in Grafenberg besucht, bemerkt sofort, dass Weihrauch in koptischen Gottesdiensten eine große Rolle spielt. Wie in anderen orthodoxen Kirchen auch ist der Raum von Ikonen, also Heiligenbildern, geprägt, die in ihrer Kunst festen Regeln folgen. Allerdings gibt es bei den Ikonen verschiedene Stile. Die Gesichter auf koptischen Ikonen sind meist kreisrund: „Wie Gott selbst hat ein Kreis keinen Anfang und kein Ende.“

Die koptische Kirche führt ihren Ursprung auf Markus zurück, dem Verfasser des ältesten der vier Evangelien. Er gilt als erster Papst der koptischen Kirche.