Kö-Treiben bei Kaiserwetter

Was wir bereits wissen
Am Sonntag gab’s wieder den Höhepunkt des unorganisierten Karnevals. Bei bestem Wetter kamen Zigtausende Narren zum Kö-Treiben.

Düsseldorf..  Bei Cartier und Co. haben sie die Schaufenster mit dicken Brettern verbarrikadiert. Die Macher der Protzläden sind geflüchtet vor der Narren-Anarchie. Denn hier heißt es: Bützen statt Brillis, Jecke statt Juweliere, Polonaise statt Prada. „Und das ist auch gut so. Hier feiern wir den zwanglosen Karneval. Es gibt kein Helau auf Kommando. Jeder macht sich sein eigenes Programm. Das ist der schönste Teil der fünften Jahreszeit“, frohlockt der als Papa Schlumpf verkleidete Frank Brinkmann (34) und blickt auf die Kö: Zigtausende Narren verwandeln die Flanier- wieder in eine farbenfrohe Feiermeile, um mit Bollerwagen, Brötchen und Bier Helau-Stimmung zu verbreiten. Und herrlicher Sonnenschein lässt die Jecken strahlen: Kaiserwetter beim Kö-Treiben.

Entsprechend schnell füllt sich die Prachtmeile. Mandy Harrer (28) aus Bilk ist mit sechs Freundinnen als „Die sieben Sünden“ mit pinkfarbenen Perücken erschienen. „Sehen und gesehen werden, ist das Motto. Das macht Spaß. Hier geht’s locker zu, man kommt schnell in Kontakt“, findet die Mediengestalterin und prostet einem Fliegenpilz zu. Dahinter verbirgt sich Kai (36) aus Kassel. „Wir kommen seit zehn Jahren immer mit sechs Leuten zum Kö-Treiben. Hier geht echt die Post ab“, lobt er lächelnd.

Gleich nebenan haben sich „De Kö Blömches“ ihren eigenen Vorgarten auf das Pflaster gepflanzt, stilecht mit Blumen, Zwerg, Jägerzaun und Sitzgelegenheiten. Dahinter stellt sich gerade der Kegelclub „Volle Eulen“ auf, bechert reichlich und macht dem Vereinsnamen alle Ehre. An den Zechgesellen rollt kurz darauf ein seltsames Vehikel mit einem aufgesetzten Hintern vorbei. Dabei handelt es sich um den „Arsche Noah“. Darauf sind seltene Tiere zu sehen, unter anderem das Rheinbahn-Känguru, dessen Auftritt auf einer Betriebsfeier bekanntlich für mächtig Ärger sorgte.

Ab 12.30 Uhr herrscht immer dichteres Gedränge, die bunt kostümierten Massen schieben sich über die Kö. Durch die Lautsprecher schallen die Gassenhauer aus mehreren Generationen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute...“ Doch mit zunehmendem Alkoholkonsum kommt es vereinzelt zu Zwistigkeiten und Raufereien. „Doch etwas ganz Gravierendes war nicht dabei“, bilanziert ein Polizeisprecher am späten Nachmittag.

Mit der einsetzenden Dunkelheit lichtet sich die Kö allmählich, die Jecken strömen in die Kneipen rund um die längste Theke. Hauptthema: Der Zoch, der heute ab 12.30 Uhr vom Robert-Lehr-Ufer aus mit etwa 5000 Teilnehmern durch Düsseldorf zieht. Um politisch brandaktuell zu sein, hat Künstler Jacques Tilly an einigen Mottowagen bis zuletzt gefeilt. Insgesamt werden zwölf davon zu sehen sein. Das verspricht Spannung. Bekanntlich fährt auch die Fortuna auf einem Wagen mit. Die Spieler Ben Halloran, Joel Pohjanpalo und Christian Weber wollen sich dabei dem Narrenvolk präsentieren. Nach der Pleite gegen Erzgebirge Aue wird’s vielleicht keine ganz so euphorische Resonanz geben. Dennoch: Tusch und Helau!