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Religion

Kirchen verkaufen und vermieten ihre Gotteshäuser

16.11.2009 | 12:30 Uhr

Düsseldorf. Etwa 40 Prozent der Düsseldorfer leben mittlerweile offiziell ohne Religion. Das hat auch finanzielle Folgen: In Oberkassel wird die Christus-König-Kirche verkauft. Die Sanierung wäre für die Gemeinde zu teuer. Die evangelische Kirche reißt Kirchen ab, sucht Mieter und Projektpartner.

Die Sanierung der Christus-König-Kirche in Düsseldorf-Oberkassel ist zu teuer für die Gemeinde. Das Gotteshaus wird verkauft. Foto: Sergej Lepke

Christentum braucht Marketing.” Wer wollte Michael Dederichs widersprechen? Doch die Botschaft des Pastors von St. Antonius, die auch im Internet zu lesen ist, kommt bei einem Großteil der Düsseldorfer offenbar nicht an. Die Zahl der Schäfchen schrumpft.

Mit rund 200.000 Mitgliedern stellen die Katholiken die größte Gemeinde. 120.000 Christen zählt die evangelische Kirche. „Nimmt man die etwa 7000 bis 8000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die Zahl der Muslime kenne ich nicht, und die verhältnismäßig geringe Zahl der Mitglieder anderer Kirchen, so kann man sagen: rund 40 Prozent aller Düsseldorfer leben ohne religiöses Bekenntnis. Das ist viel”, stellt Michael Hänsch, der Geschäftsführer des katholischen Kirchengemeindeverbandes, besorgt fest.

Verkauf und Abriss nur im absoluten Notfall

Der Aderlass hat finanzielle Folgen: In Oberkassel wird jetzt die Christus-König-Kirche verkauft. Die Kosten für die Sanierung übersteigen das Budget der Gemeinde.

"Der Verkauf einer Kirche ist für uns ultima ratio", sagt Michael Hänsch.

„Der Verkauf einer Kirche ist für uns die ultima ratio. Im Erzbistum Köln standen auch 2005, als das Sparprogramm aufgelegt wurde, Kirchen nicht zur Disposition”, nennt Hänsch die offizielle Strategie und hat dafür auch einen „ganz plastischen Grund: Kirchen sind Landmarken des Glaubens. Davon wollen wir uns, wenn möglich, nicht trennen. Denn der Abriss einer Kirche ist eine unpopuläre Maßnahme. Damit geht auch ein Stück Zuhause verloren.”

"Kirchen gehören zum Stadtbild"

Der Düsseldorfer Superintendent Ulrich Lilie.

Superintendent Ulrich Lilie findet ähnliche Worte: „Kirchen gehören zum Stadtbild. Sie stellen in den Stadtteilen auch biografische Orte dar, wo man getauft wurde, wo man konfirmiert wurde, wo man geheiratet hat. Es sind Orte, die besondere Fingerzeige sind. Und über Orte finden die Menschen zum Glauben”, ist er überzeugt.

Die Finanzsituation allerdings stellt eine Herausforderung dar. Hänsch spricht von Konzentrationsprozessen, von Umstrukturierungen und Kooperationen, vom Rückbau in einzelnen Kirchengebäuden, von Fusionen verschiedener Gemeinden oder verbindlichen Formen der Zusammenarbeit angesichts geschrumpfter Gemeinden. Kirchenabrisse sollen die absolute Ausnahme sein.

Bestand aus Zeit mit doppelter Mitgliederzahl

Evangelisch in Düsseldorf hat ein ähnliches Ziel. Lilie gibt allerdings zu bedenken: „Unser Gebäudebestand stammt aus der Zeit, in der wir etwa doppelt soviele Mitglieder hatten. Das müssen wir anpassen. Darum wollen wir einen Masterplan entwickeln, eine evangelische Landkarte für Düsseldorf, mit der Maßgabe, flächendeckend vor Ort sichtbar zu bleiben.”

Immer weniger Menschen besuchen Gottesdienste. Foto: Monika Kirsch

So wenig Kirchen aufgeben wie möglich, heißt das im Klartext. 55 sogenannte Predigtstätten gibt es in der Stadt. Fünf wurden inzwischen geschlossen. Um weitere Einschnitte zu vermeiden, wird über Kooperationen nachgedacht, mit der Diakonie, mit anderen christlichen Kirchen. So wird die Calvin-Kirche in Flingern seit Jahren von der koreanischen Gemeinde genutzt.

Keine Waschstraße in die Kirche

Im Norden der Stadt aber steht zurzeit eine nicht unproblematische Entscheidung an. Die Trinitatiskirche an der Eitelstraße ist ein Baudenkmal, die Melanchthonkirche in Pempelfort wurde neu hergerichtet. Die Epiphaniaskirche in Rath jedoch, ein Zweckbau aus den siebziger Jahren, wird, wie es heißt, aufgegeben. Die Gläubigen schlossen sich bereits zur Ostergemeinde zusammen.

Die Zukunft des Bauwerks ist indes offen: „Wir überlegen noch, welche Nachnutzung es dort geben soll”, sagt Lilie, schließt aber kategorisch aus: „Keine Waschstraße, kein billiger Jakob. Uns geht es nicht um die größtmögliche Rendite. Wir sind im Gespräch mit der Stadt.”

Abriss der Kirche schafft Platz für Wohnungen

Lilie verweist auf die Dreherstraße, wo der Abriss der Gnadenkirche samt Kindergarten Platz für die Wohnbebauung schaffen soll. „Das tut dem Stadtteil gut”, ist er überzeugt. Die Schließung der Apostelkirche in Gerresheim erhitzt allerdings seit Monaten die Gemüter. Eine Presbyterin legte sogar ihr Amt nieder.

In Oberkassel sind die Würfel gefallen. Die Christus-König-Kirche wird profanisiert, wie die Rücknahme der Weihe bei den Katholiken heißt. Der Erzbischof in Köln hat dem Beschluss der Gemeinde St. Antonius, zu der Christus-König seit dem Jahr 2000 gehört, zugestimmt. Die Kosten für eine Sanierung wären zu hoch. „Das wäre eine riesige finanzielle Belastung für die St. Antonius-Gemeinde geworden”, sagt Hänsch. Rostende Heizungsrohre, eindringendes Wasser, Schimmel an den Wänden.

"Wir werden nicht obdachlos"

Kein Bild mit Symbolcharakter: Die Johanneskirche Düsseldorf wurde 2008 renoviert. Foto: Sergej Lepke

Auch Mykola Pawlyk bestätigt die vielen Schäden im Gotteshaus. Seit 2008 ist er mit seiner ukrainisch-unierten etwa 400 Mitglieder starken Gemeinde in der Christus-König-Kirche zu Hause. Noch aber ist ihm kein neuer Ort genannt worden, wo er Gottesdienst feiern kann. „Wir werden nicht obdachlos”, ist er sicher. „Wir sind Teil der katholischen Kirche, wir erkennen den Papst an, aber wir haben einen anderen Ritus”, erläutert Pawlyk und setzt nun auf das Generalvikariat, das bei der Suche behilflich sein will.

Am 22. November kommt die katholische Gemeinde zum Abschlussgottesdienst in Christus-König zusammen. Ob die Standortsuche für die Ukrainisch-Unierten noch vor Weihnachten klappt? Sie feiern die Geburt Christi erst am 6. Januar...

Birgit Klausmann

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Kommentare
16.11.2009
14:52
Kirchen verkaufen und vermieten ihre Gotteshäuser
von jcm | #3

Ein Volk, welches nur noch den Mammon anbetet, trägt den dekadenten Keim des Unterganges bereits in sich...

16.11.2009
14:31
Kirchen verkaufen und vermieten ihre Gotteshäuser
von Cappucino | #2

Was ich nicht verstehe: es gibt eine Reihe kleinerer Kirchen nebem den beiden Grossen: Die Griechisch-Orthodoxen, die Altkatholiken, die Anglikaner, die Baptisten usw..
Beneotigen die allesamt keine Gebaeude?
daneben gibt es noch juden, Buddhisten, Hinduisten, Muslime usw.. eine Nutzung als Bildungs- und Stadtteilzentrum ist ebenso moeglich.
Wieso werden Kirchen (auch an der Dreherstrasse war es Schade darum) abgerissen?

16.11.2009
13:40
Kirchen verkaufen und vermieten ihre Gotteshäuser
von AliMomente | #1

Somit vollendet der Antichrist sein Werk....

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